Turbo-Gen gegen Trockenstress

14. August 2003, 13:17
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Bewährt bei Ackerschmalwand - jetzt stehen Versuche mit Soja, Mais und Weizen an

Bonn/Wien - Wenn es mit Klima und Wetter so weitergeht, werden wir es möglicherweise schon bald dringend brauchen: das von Wissenschaftern der Universität Bonn entdeckte Turbo-Gen gegen Trockenstress. Es hat sich bei der Laborpflanze Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) bereits bewährt und konnte in Zukunft auch Soja, Weizen und Mais unempfindlicher gegen Trockenperioden machen.

Gefunden im Rachenblütler

Gefunden haben die Botaniker das Gen in der so genannten Wiederauferstehungspflanze, ein Südafrikanischer Rachenblütler. Bei Wassermangel verdorrt die Pflanze zu einem unansehnlichen braunen Gewächs. Doch wenn nach Wochen oder Monaten wieder Regen fällt, werden die Blätter binnen Stunden wie durch Geisterhand wieder grün. Die Wiederauferstehungspflanze kann bis zu 95 Prozent ihrer Wasserreserven unbeschadet verlieren und fällt dabei in eine Art Tiefschlaf.

Das Geheimnis steckt - so haben die deutschen Forscher herausgefunden - im Erbgut der Pflanze. Sie isolierten ein Gen, das bei Trockenheit besonders aktiv ist und Stoffwechselvorgänge auslöst, welche die Pflanze vor Schäden durch den Wassermangel schützt. Unter anderem enthält es den Bauplan für das Entgiftungs-Enzym Aldehyd-Dehydrogenase (ALDH).

Fahndung in der Ackerschmalwand

Anschließend fahndeten sie auch in der genetisch völlig aufgeschlüsselten Ackerschmalwand nach ähnlichen Sequenzen im Erbgut. Tatsächlich fand sich ein Gen, das dem des südafrikanischen Durstkünstlers sehr ähnlich ist. Durch einen gentechnischen Trick sorgten die Wissenschafter in der Ackerschmalwand nun dafür, dass das Trockengen ungewöhnlich oft abgelesen wird.

Die manipulierten Pflanzen produzierten erwartungsgemäß mehr ALDH und überstanden im Experiment auch erheblich längere Dürreperioden und waren auch unempfindlicher gegen erhöhte Salzkonzentrationen. Die Forscher äußerten die Hoffnung, dass nun auch ein Turbo-Gen gegen Trockenstress in Mais-, Weizen- oder Soja-Arten entwickelt werden könnte. (APA)

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