Zukunftsprojekt Stammzelltherapie

29. August 2003, 09:58
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Die Reparatur kranker Herzen durch Stammzellen befindet sich noch im Forschungsstadium

Wien - Derzeit noch Wissenschaft pur, in Zukunft vielleicht eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit bei Herzerkrankungen: Die Stammzelltherapie könnte eine Ergänzung zu den modernsten etablierten Methoden in der Infarktbehandlung werden. "Es gibt erste, wirklich interessante Ergebnisse. Ich nehme an, dass wir ein eineinhalb Jahren unsere Infarkttherapie verändern und die Stammzelltherapie noch 'draufsetzen' könnten", erklärte im Frühjahr der Wiener Kardiologe Univ.-Prof. Dr. Helmut Glogar (AKH), Präsident der Österreichischen Kardiologen-Gesellschaft.

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Methoden der Herzspezialisten revolutionär entwickelt:

  • Vor mehr als 25 Jahren erfand der Wissenschafter Andreas Grüntzig die Methode der Ballon-Dilatation (PTCA) zur Aufdehnung verengter Herzkranzgefäße durch einen an die Engstelle geführten aufblasbaren Katheter. Dies erfolgt jetzt zunehmend als optimale Methode auch beim akuten Infarkt.

  • Dann kamen die Thrombolyse-Medikamente als Alternative. Dabei sollen die Medikamente ein akut in einer Herzarterie entstandenes Blutgerinnsel auflösen.

    Muskelfunktion verbessern

    Doch mit einer zusätzlichen Stammzell-Therapie wollen jetzt die Wissenschafter die Infarktnarbe am Herzen noch zusätzlich reduzieren bzw. die Muskelfunktion wieder verbessern. Dabei werden Stammzellen aus dem Beckenkamm oder dem Blut als "Ersatzmaterial" gewonnen und über Katheter in das Infarktareal und/oder angrenzende Blutgefäße injiziert.

    Bessere Durchblutung

    Glogar: "Erste Fälle haben gezeigt, dass damit in der (Infarkt-)Randzone die Durchblutung verbessert werden kann." Die Funktion der linken Herzkammer ließe sich wieder von 50 auf 60 Prozent erhöhen. Noch in diesem Herbst wird auch die kardiologische Abteilung an der Wiener Universitätsklinik an einer internationalen Studie teilnehmen, in der erstmals objektiv der Effekt dieser Methoden untersucht werden soll.

    Am Wiener AKH entwickelt der Herzchirurg Univ.-Prof. Dr. Alfred Kocher - auch in Zusammenarbeit mit einem Team von Glogar - solche Therapieansätze: Patienten wurden mit gewissem Erfolg entweder im Rahmen einer Bypass-Operation oder einer Behandlung mit einem Herzkatheter solche körpereigene Stammzellen in kranke Herzareale injiziert. (APA)

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