Österreich fehlt Infrastruktur zur Ballon-Aufdehnung

29. August 2003, 09:58
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Für flächendeckende Versorgung gibt es zu wenige Interventionsmöglichkeiten

Wien - Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen in Österreich die häufigste Todesursache dar. Im Jahr 2002 entfielen von 76.131 Todesfällen 36.906 auf diese Leiden. Davon starben allein 6.779 Personen am akuten Herzinfarkt. Im Vergleich: Krebs war im Jahr 2002 in der Alpenrepublik für 18.623 Todesfälle verantwortlich. Kritisch zu sehen: Auch Österreich hat im Vergleich zum optimal Möglichen noch einen Aufholbedarf bei der Versorgung von Herzinfarkt-Patienten.

Die harten Daten: Florenz hatte laut österreichischen Kardiologen-Aussagen vom Herbst 2002 Spitals-Mortalität bei Herzinfarktpatienten von nur noch 2,6 Prozent. Österreich lag damals (2001) hingegen bei einer Sterblichkeitsrate von 17 Prozent.

13.000 Infarkt-Patienten jährlich

Die offenbaren Ursachen: In Österreich werden pro Jahr rund 13.000 Patienten mit einem akuten Herzinfarkt ins Spital aufgenommen. Seit einigen Jahren gibt es die Möglichkeit, den Infarktmechanismus zu beheben, indem akut eine Ballon-Aufdehnung durchführt wird. Doch in Österreich werden - im Vergleich z.B. mit Florenz (95 Prozent) - noch zu wenige der Patienten mit einem akuten Infarkt auf diese Weise versorgt:

So erklärte der Wiener Kardiologe Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber: "Im Durchschnitt bekommen in Österreich 13 bis 14 Prozent der Patienten eine solche Akut-PTCA. Am Wiener AKH sind es 80 Prozent." In Innsbruck beträgt die Rate laut dem Tiroler Experten Univ.-Prof. Dr. Franz Weidinger 50 Prozent.

Fehlende Interventionsmöglichkeiten

Für eine solche flächendeckende Versorgung müsste es in ganz Österreich rund um die Uhr zur Verfügung stehende Herzkatheter-Labors mit der Möglichkeit für Interventionen im Ernstfall geben. Das ist einerseits eine Frage der Einrichtungen, vor allem aber eine Frage des Personals. In Wien wird derzeit versucht, regelmäßig zwei Herzkatheter-Labors 24 Stunden lang bereit zu halten. Das funktionierte Ende Mai 2003 nur an vier Wochentagen (montags bis donnerstags). Doch der "Killer Herzinfarkt" hält sich nicht an die "Öffnungszeiten" der Katheter-Labors. - Und nicht nur die Einwohner von Ballungszentren erleiden Infarkte!

Die Art der Behandlung beim akuten Infarkt macht einen enormen Unterschied in der Sterblichkeit der Patienten. Laut Wiener Zahlen sterben mit einer Akut-PTCA nur 4,5 Prozent der Betroffenen im Spital. Bei einer Thrombolyse als Alternative (Auflösung des Gerinnsels per Medikament) sind es neun Prozent - und ohne beides 20 Prozent. (APA)

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