Japanische Wirtschaft wächst

14. August 2003, 19:15
posten

BIP stieg zum Vorquartal um real 0,6 Prozent - Experten sehen noch keine klare Trendwende

Tokio - Die japanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal dank höherer Unternehmens- und Konsumausgaben sowie Exportsteigerungen überraschend deutlich gewachsen. Wie die Regierung am Dienstag mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen April und Juni zum Vorquartal um real 0,6 Prozent und damit im sechsten Quartal in Folge. Analysten hatten lediglich mit einem halb so starken Wachstum gerechnet. Auf das Jahr kalkuliert ergab sich ein Plus von 2,3 Prozent. An Tokios Börse zog der Nikkei-225-Index infolge der BIP-Zahlen um 0,81 Prozent an und schloss bei 9.564,81 Punkten.

Die Investitionen der Firmen legten im Berichtsquartal um 1,3 Prozent zu. Aber auch die Konsumausgaben, die mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung Japans ausmachen, zogen dank einem Verkaufsplus bei Digitalkameras und Fernsehern überraschend um 0,3 Prozent an. Die Exporte, die rund zehn Prozent zur Wirtschaftsleistung beitragen, stiegen um ein Prozent. Insgesamt trug die Inlandsnachfrage im Berichtsquartal zu 0,4 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum bei, die Nachfrage aus dem Ausland zu 0,2 Prozentpunkte. Die Daten sind ein weiteres Anzeichen, dass sich die Lage der zweitgrößten Wirtschaftsnation dank der wieder günstigeren Bedingungen im Ausland zu verbessern scheint.

Keine klare Trendwende

Experten sehen jedoch noch keine klare Trendwende. Japan müsse zunächst die Deregulierung und industrielle Wiederbelebung weiter angehen und die andauernde Deflation bekämpfen, schrieb die Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun". Eine der Kardinalaufgaben für Japan bleibt auch aus Sicht von Wirtschaftsminister Heizo Takenaka der Abbau der die Gesamtwirtschaft belastenden Problemkredite der Banken. Hinzu kommt, dass zu den jüngsten BIP-Daten einige Sonderfaktoren beitrugen, wie etwa der gestiegene Zigarettenverkauf im Vorfeld einer im Juli geplanten Tabaksteueranhebung. Auch gaben die Japaner Geld für Inlandsreisen aus, nachdem sie ihre Auslandsreisen wegen der Lungenkrankheit Sars gestrichen hatten.

Das stark gedrückte Konsumklima zeigt Anzeichen einer Aufhellung. Dazu trägt die Entwicklung an der Börse bei, die sich von ihren 20-Jahres-Tiefs im April erholt hat und dank jüngster Hoffnungsschimmer zulegte. Eine Quartalsumfrage der Zentralbank zeigte vergangenen Monat, dass sich die Stimmung der Großindustrie so verbessert hat wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr, wenngleich die Pessimisten weiter in Überzahl sind. Zudem sank im Juni die Arbeitslosenquote auf 5,3 (Vormonat: 5,4) Prozent, während die Löhne stiegen. Dennoch sehen Experten den Konsum noch nicht als stark genug an, um Japans Wirtschaft vollständig auf Erholungskurs zu bringen.

In ihrem Monatsbericht für August ließ die japanische Zentralbank ihre Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftslage unverändert und stellte fest, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten weiter flau sind. Die Einkommens- und Arbeitsmarktlage bleibe schwierig. Es sei von entscheidender Bedeutung, ob die Regierung an ihren Reformbemühungen auch in Zukunft festhalten kann, sagte Wirtschaftsminister Takenaka. Schnelleres Wirtschaftswachstum könnte Ministerpräsident Junichiro Koizumi helfen, am 20. September als Präsident seiner Regierungspartei LDP wiedergewählt zu werden - ein Posten, den Koizumi braucht, um Japans Regierungschef zu bleiben.(APA)

Share if you care.