Viel zu viele Herztote

12. August 2003, 13:03
8 Postings

Zwischen einzelnen Staaten gibt es eklatante Unterschiede - Österreich unter den Ländern mit höherer Sterblichkeit

Wien - Europas Kardiologen warnen: Vier Millionen Menschen - und somit viel zu viele - sterben auf dem alten Kontinent jährlich an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das sind 48 Prozent aller Todesfälle. An der Spitze stehen die osteuropäischen Länder, am "guten" unteren Ende hingegen Staaten wie Frankreich und Spanien. Österreich liegt unter den Ländern mit relativ höherer Herz-Sterblichkeitsrate. - Dies sind die Daten der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), die vom 30. August bis 3. September in Wien ihren Jahreskongress abhält.

Hohe Todesraten in Ost- und Zentraleuropa

"Die Todesraten sind am höchsten in den Staaten Ost- und Zentraleuropas. In Westeuropa liegen Großbritannien, Irland und Finnland an der Spitze. Die Unterschiede sind dramatisch. In Russland ist die Todesrate durch Herzerkrankungen bei Männern und Frauen von 35 bis 74 Jahren acht Mal höher als in Frankreich. In Irland ist sie doppelt so hoch wie in Italien. Derzeit liegen die Todesraten in Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen am niedrigsten in mediterranen Ländern wie Frankreich, Israel und Spanien und am höchsten in osteuropäischen Ländern wie Rumänien, Russland und in der Ukraine", hieß im Februar dieses Jahres bei einer ESC-Pressekonferenz zu diesem Thema in London.

Österreich - verglichen wurden die Daten in 25 Ländern - weist eine Herz-Kreislauf-Todesrate (vier bis fünf Todesfälle pro 1.000 Menschen und Jahr) auf, die es mit Ländern wie Finnland, Irland, Deutschland, Slowenien, Slowakei, Portugal und Griechenland auf eine Ebene stellen. Dies geht aus den Daten von Univ-Prof. Dr. Michal Tendera (Polen), Präsident der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, hervor. Während es in Skandinavien gelungen ist, die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit in den vergangenen Jahren deutlich zu reduzieren, stieg sie in Osteuropa um bis zu 60 Prozent.

Die Hauptursachen

  • Allein 1,2 Millionen Menschen sterben jährlichen als Folge des Rauchens, davon 430.000 durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

  • 30 Prozent der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Leiden sind durch ungesunde Ernährung (zu fett) bedingt.

  • 36 Prozent der tödlich verlaufenden Fälle von koronaren Herzkrankheiten (Herzinfarkt etc.) gehen bei Männern auf mangelnde Bewegung zurück, bei den Frauen sind es gar 38 Prozent.

  • Die Zahl der Diabetiker steigt in Europa durch den ungesunden Lebensstil ständig an. Zuckerkranke haben besonders häufig Herzleiden.

    Differenzen

    Trotz der Größe des Problems gibt es eklatante Unterschiede in der Vorsorge, der Früherkennung und in der Therapie der Betroffenen. In Frankreich und in Polen orientieren sich nur 20 Prozent der Ärzte an den europäischen Leitlinien zur Bestimmung eines allfälligen Risikos für eine Herzkrankheit bei ihren Patienten. In Deutschland und Italien sind es ein Drittel der Ärzte, in Spanien und in Großbritannien hingegen drei Viertel. Auch in der Behandlung - zum Beispiel bei der Zahl der durchgeführten Herz-Bypass-Operationen und Ballon-Aufdehnungen verengter Herz-Kranzgefäße sowie bei den Medikamenten - ergeben sich starke Differenzen.

    Die Fachleute fordern eine Verringerung der Herz-Kreislauf-Mortalität in der EU um 40 Prozent bis zum Jahr 2020: Durch vermehrte Behandlung von Menschen mit erhöhten Blutfettwerten (Cholesterin), Bluthochdruck und einer Senkung des Anteils der Raucher um ein Prozent pro Jahr. (APA)

    • Bild nicht mehr verfügbar
    Share if you care.