Ein merkwürdiger Verbündeter für Microsoft

20. August 2003, 08:49
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Die "Aktivitäten" von SCO haben das Geschäft mit Linux bislang nicht beeinträchtigt

Linux gilt als die derzeit aussichtsreichste Plattform, die eine Dominanz der Windows-Betriebssysteme in allen IT-Bereichen verhindern könnte. Das von tausenden Programmierern in der ganzen Welt entwickelte Betriebssystem gilt als preisgünstig und verlässlich. Aber gerade in dem Moment, als Linux in Unternehmen und Behörden Fuß zu fassen beginnt, kommt die Klage der SCO Group, dass Linux geistiges Eigentum der Firma enthalte. Wenn die Gerichte zustimmen, könnte dies den Vormarsch von Linux und freier Software zumindest aufhalten.

"Erpressung"

Der Klage von SCO stehen inzwischen Gegenklagen von IBM und Red Hat gegenüber. Um was genau es SCO geht ist noch unbekannt. Die Firma hat noch nicht erklärt, welche Programmteile in Linux die Rechte von SCO verletzen sollen. Viele in der Linux-Gemeinde nennen deshalb das Vorgehen von SCO, Geld zu fordern, ohne zu sagen weshalb, schlicht Erpressung. Entscheiden werden Gerichte in Utah und Delaware. Und die scheinen es gar nicht eilig zu haben, die Klage gegen IBM steht bei ihnen frühestens im April 2005 auf der Tagesordnung.

Unsicherheiten

In der Zwischenzeit herrscht Unsicherheit, die Firmen und Behörden vom Umstieg von Windows auf Linux abhalten könnte. Denn selbst wenn sich die SCO-Klage als grundlos erweisen sollte, bleibt ja immer noch die Möglichkeit, dass es andere rechtliche Fallstricke in Linux gibt.

Verzweiflungstat

Viele sehen in dem Vorgehen von SCO auch eine Verzweiflungstat. Denn vor der Klage war SCO nur bekannt durch eine wenig erfolgreiche eigene Linux-Distribution mit dem Namen Caldera und eine eigene Unix-Variante, die auch nicht viel Perspektive zu haben schien. Im Haushaltsjahr 2002 gab es einen Verlust von 24,9 Millionen Dollar. Geld hofft SCO jetzt mit Linux-Lizenzen zu machen. 1.500 Unternehmen wurden angeschrieben. Für einen Arbeitsplatzrechner soll eine Lizenz 199 Dollar kosten. Der Preis liegt damit knapp über dem für Windows XP Home von Microsoft, das bei Amazon 190 Dollar kostet.

Sun und Microsoft

Zwei bekannte Firmen haben eine Lizenz von SCO gekauft, Microsoft und Sun Microsystems. Microsoft erklärte, dies sei notwendig gewesen, weil Windows mit Unix und Linux zusammenarbeiten solle. Damit entsteht natürlich der Eindruck, dass Linux noch mit weiteren Kosten für den Nutzer verbunden sein könnte, weshalb die geschützen Microsoft-Produkte wieder interessanter werden könnten. Microsoft bestreitet aber, dass dies die Absicht gewesen sei. Auch Sun kann mit dem eigenem Unix-Betriebssystem Solaris, an dem SCO keine Rechte hat, Kunden eine unvorbelastete Alternative anbieten.

"Die Menschen haben die Wahl. Und wir sehen, dass sie weiter mit den Füßen abstimmen."

Der rechtliche Streit hat das Geschäft mit Linux bislang nicht beeinträchtigt, wie IBM, Sun und Hewlett-Packard übereinstimmend erklären. Der Boom hält an. "Risiken gibt es immer", sagt Mike Balma, der Linux-Stratege bei HP. "Die Menschen haben die Wahl. Und wir sehen, dass sie weiter mit den Füßen abstimmen."

Die Rechte von SCO betreffen nur einen kleinen Teil der Unix-Systeme. Unix entstand Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre in den Bell Laboratorien von AT&T. Schnell entstanden verschiedene Richtungen und verschiedene Lizenzen. Einen eigenen Weg ging zum Beispiel die Universität Berkeley mit ihrer Berkeley Software Distribution (BSD), weshalb auch das neue Apple Betriebssystem Mac OS X, das auf BSD beruht, von dem Rechtsstreit nicht berührt ist. Das gleiche gilt für die freien BSD-Systeme wie FreeBSD, NetBSD und OpenBSD.

Für 50.000 Dollar

Wie es heißt, soll auch Microsoft einmal Anfang der 80er Jahre, als IBM nach einem Betriebssystem für die neuen PCs suchte, an einem Unix-Betriebssystem mit dem Namen Xenix gearbeitet haben. Wegen eines Rechtsstreits mit AT&T lehnte IBM Xenix ab und die Firma von Bill Gates kaufte für 50.000 Dollar das Nicht-Unix-Betriebssystem QDOS, aus dem MS-DOS und der Grundstock zum Windows-Imperium wurde.(APA/AP

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