US-Notenbank lässt Leitzinsen unverändert

22. August 2003, 10:00
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Taggeldsatz bleibt weiter bei 1,0 Prozent, dem tiefsten Wert seit 1958 - Greenspan warnt vor Deflationstendenzen

Washington - Die US-Notenbank hat die außerordentlich niedrigen Leitzinsen am Dienstag nicht verändert. Der Satz für Tagesgeld liegt nach wie vor mit 1,0 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 1958. Angesichts eines nur geringen Wirtschaftswachstums und einer niedrigen Inflationsrate war diese Entscheidung erwartet worden. Seit Jänner 2001 hat die US-Notenbank die Zinsen 13 Mal gesenkt. Die Entscheidung fiel einstimmig.

Zur Begründung erklärte die Notenbank, die Entscheidung vom 25. Juni, den Zinssatz auf ein Prozent zu senken, zeige bereits positive Auswirkungen auf den Konsum. Auch viele private Analysten sehen Anzeichen für ein Anziehen der Konjunktur. So gaben die wichtigsten Handelsketten vor einer Woche hohe Umsätze für den Monat Juli bekannt, ein Zeichen dafür, dass die Verbraucher wieder mehr ausgeben. Die niedrigen Zinsen und die jüngsten Steuersenkungen der Regierung könnten Verbraucher und Unternehmen zu weiteren Investitionen anregen, hoffen die Wirtschaftsexperten.

Deflations-Risiken

Der für Leitzinsen zuständige Offenmarktausschuss (FOMC) begründete die Entscheidung mit einem anhaltendem Bedarf an positiven Impulsen für die Wirtschaft. Er warnte indirekt angesichts niedriger Inflation und anhaltender Probleme auf dem Arbeitsmarkt vor Deflations-Risiken. Deshalb sei ein weiterhin niedriges Zinsniveau für einen überschaubaren Zeitraum sinnvoll. Als für die wirtschaftliche Entwicklung positiv wurden der Anstieg der Produktivität und die anhaltende Konsumfreude der Verbraucher bewertet.

Notenbankchef Alan Greenspan hatte kürzlich die Gefahr einer Inflation als gering bewertet, allerdings vor Deflationstendenzen - sinkende Preise und Produktion bei steigender Arbeitslosigkeit - gewarnt. Finanzexperten rechnen damit, dass erst im kommenden Jahr die Zinsen wieder angehoben werden könnten.

Daten vom Arbeitsmarkt gemischt

Die Inflationsrate lag dem US-Arbeitsministerium zufolge im Juni bei 2,1 Prozent im Vergleich zum Juni 2002. Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2003 um 2,4 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2002 gewachsen, die Arbeitslosenrate auf 6,2 Prozent von 6,4 Prozent im Vormonat gefallen.

Der Offenmarktausschuss wiederholte seine Formulierung, dass das das Risiko eines unwillkommenen Inflationsrückgangs jenes steigender Inflationsraten - wenn auch nur wenig - überwiege. Die Auf- und Abwärtsrisiken für das langfristige Wirtschaftswachstum seien weiterhin ausgeglichen. Auf absehbare Zeit dürfte insgesamt das Risiko unerwünscht niedriger Teuerungsraten überwiegen. Zudem sprächen die seit dem vergangenen Meeting bekannt gewordenen Daten dafür, dass sich die Investitionstätigkeit belebt habe. Allerdings seien die Daten vom Arbeitsmarkt gemischt. Die Preismacht der Unternehmen bleibe ebenso begrenzt wie der Anstieg der Kern-Verbraucherpreise.

Die US-Börsen reagierten mit Kurssteigerungen auf die Nachricht von voraussichtlich weiter tiefen Leitzinsen, der Euro verlor nach der Meldung geringfügig an Wert. (APA/dpa/AP)

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