Neue Anschläge gefährden Friedensprozess

13. August 2003, 17:54
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Vier Tote bei zwei Selbstmordattentaten - Al-Aksa-Brigaden übernehmen Verantwortung - Israel verschiebt geplante Freilassungen von Gefangenen

Tel Aviv/Doha - Palästinensische Selbstmordattentäter haben trotz eines vor Wochen vereinbarten Gewaltverzichts am Dienstag wieder zwei Anschläge verübt und damit den mühsam in Gang gekommenen Friedensprozess in Gefahr gebracht. Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Anschläge und verkürzte eine Reise in die Golfstaaten. Israels Regierungschef Ariel Saharon sagte, der Friedensprozess werde nicht vorankommen, wenn die Palästinenser-Regierung die extremistischen Kräfte nicht bekämpfe. Israel verschob die Freilassung inhaftierter Palästinenser.

In einem Gemüsegeschäft im zentralisraelischen Rosh Haayin sprengte sich in den frühen Morgenstunden nach Polizeiangaben ein palästinensischer Selbstmordattentäter in die Luft und riss einen anderen Menschen mit in den Tod. Sechs Personen seien verletzt worden. Die radikalen El-Aksa-Brigaden der Fatah-Organisation von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat bekannten sich zu dem Anschlag. Nur wenige Minuten nach dem ersten Attentat zündete ein Palästinenser in einer Menschengruppe nahe der jüdischen Siedlung Ariel im Westjordanland eine Bombe, tötete sich und einen weiteren Menschen und verletzte mehrere. Die radikale Hamas-Organisation bekannte sich zu diesem Anschlag.

Die Hamas bezeichnete den Anschlag im Westjordanland als Ausnahme von der im Prinzip seit sechs Wochen geltenden Waffenruhe. Er sei durch israelische Provokationen ausgelöst worden. Der Anschlag bei Ariel sei die Vergeltung für den Tod zweier Hamas-Mitglieder, die am Freitag bei einer Militäraktion israelischer Soldaten im Nablus getötet worden waren. Auch die El-Aksa-Brigaden begründeten ihren Anschlag mit der Aktion in Nablus.

Abbas macht Israel verantwortlich

Der palästinensische Regierungschef Abbas (Abu Mazen) machte Israel für die jüngsten palästinensischen Selbstmordanschläge verantwortlich. Die von mehreren radikalen Palästinenser-Organisationen Ende Juni ausgerufene Waffenruhe stehe kurz vor dem Zerbrechen, wenn Israel seine "Aggressionen" gegen die Palästinenser fortsetze, sagte er in der katarischen Hauptstadt Doha. Von Tunis wollte er nach Gaza zurückkehren. Er verurteile die israelischen "Provokationen", sagte Abbas. Seine Regierung werde "aber hart daran arbeiten, den Waffenstillstand aufrechtzuerhalten."

Israel verschiebt Freilassungen

Sharon forderte die Palästinenser auf, härter gegen die radikalen Gruppen vorzugehen, wenn der Friedensprozess erfolgreich weitergehen solle. "Wenn der Terror nicht vollständig aufhört, wird Israel den Prozess nicht fortsetzen können, auch wenn es sich dies inbrünstig wünscht", sagte er in einer Rede. Israel verschob nach den Anschlägen Regierungskreisen zufolge zudem die für Dienstag geplante Freilassung von 76 weiteren palästinensischen Häftlingen. Die Häftlingsfrage ist ein zentraler Streitpunkt bei der Umsetzung des internationalen Friedensplans.

US-Außenminister Colin Powell sagte in einer Rede vor israelischen und arabischen Studenten: "Wir werden bei der Umsetzung des Friedensplans weiter voranschreiten", "Bomben werden uns nicht aufhalten. Diese Art von Gewalt wird uns nicht aufhalten." Dore Gold, ein Berater Scharons, sagte, die Anschläge zeigten der Welt, "dass es keinen Ersatz für eine völlige Zerschlagung der terroristischen Infrastruktur durch die Palästinenser-Behörde in den von ihr kontrollierten Gebieten gibt", weder durch einen befristeten Waffenstillstand noch durch diplomatischen Austausch.

Die Anschläge überschatteten den Besuch des US-Sondergesandten William Burns, der am Dienstag mit israelischen und palästinensischen Regierungsvertretern unter anderem den Verlauf des israelischen Sperrwalls im Westjordanland erörtern wollte. Nach Gesprächen mit dem palästinensischen Finanzminister Salam Fajad und dem israelischen Regierungsberater Amos Gilad wollte Burns am Abend Sharon treffen. Am Mittwoch war eine Begegnung mit Abbas in Jordanien geplant, wie die US-Botschaft in Amman mitteilte. Arafat warf Israel in der ägyptischen Regierungszeitung "Al Ahram" vor, mit dem Sicherheitswall palästinensische "Ghettos" schaffen zu wollen.(APA/Reuters)

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    Der völlig zerstörte Markt in Rosh Haayin

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