Schreckstarre und Furchtgedächtnis

14. August 2003, 18:23
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Deutsche Wissenschafter erforschen Angstzustände und ihre Speicherung im Gehirn

Magdeburg - Wissenschaftlern der Universität von Madgeburg ist es gelungen, Angstzustände im Gehirn zu erforschen. Die Forscher versuchten die Frage zu beantworten, wie die Konfrontation mit einem Furcht auslösenden Reiz die Aktivitätsmuster im Gehirn beeinflusst. Den Wissenschaftlern ist es auch gelungen die so genannte "Schreckstarre" wissenschaftlich zu begründen, berichten sie in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science.

Schnell und lange gespeichert

"Furcht und Angst gehören zu den grundlegenden Erfahrungen jedes Menschen. Der Mensch, wie jedes andere Säugetier, lernt durch Sozialisierung oder schmerzvolle Erfahrung, bestimmte Verhaltensweisen zu vermeiden, aus Angst, verletzt zu werden", beschreibt Studienleiter Hans-Christian Pape vom Institut für Physiologie die Situation. Erinnerungen an diese Angstzustände werden im Gehirn außerordentlich schnell und lange gespeichert.

"Die Hirnforscher sprechen vom Furchtgedächtnis. Wiederkehrende und unkontrollierbare Erinnerungen an solche Erfahrungen jedoch sind belastend und können zu schweren psychischen Erkrankungen, führen", erklärt der Experte. Den Forschern ist es gelungen, die Mechanismen, die beim Abruf des Furchtgedächtnisses ablaufen und zu den bekannten Reaktionen, wie der Schreckstarre, der Erhöhung des Blutdruckes und der gesteigerten Herzaktivität führen, zu beschreiben.

Arbeitsweise

"Bei Darbietung eines zuvor erlernten Furchtreizes arbeiten zwei verschiedene Hirnregionen zusammen, indem die elektrische Aktivität zeitlich miteinander synchronisiert wird", erklärt Pape. Diese Synchronisation trete vor allem immer dann auf, wenn der Reiz eine Furchtantwort im Verhalten auslöst. "Das ist der erste Hinweis darauf, dass eine zeitliche Synchronisation der Aktivität in verschiedenen Hirnregionen eine Rolle beim Abruf emotional bedeutsamer Gedächtnisinhalte spielt", führt der Wissenschaftler aus.

"Es zeigte sich, dass die elektrische Aktivität der Nervenzellen in zwei Hirnregionen des so genannten limbischen Systems in einem Frequenzbereich von vier bis sieben Hertz, der so genannten Theta-Frequenz, synchronisiert werden. Diese Synchronität trat nur in Zusammenhang mit emotional bedeutenden Reizen oder Reizzusammenhängen auf und war nicht zu beobachten, wenn entsprechende vorhergehende Erfahrungen fehlten", beschreibt der Experte. Die Aktivität beschränkte sich auf zeitliche Phasen der Schreckstarre, die auch eine instinktive Reaktion auf plötzlich auftretende Furcht auslösende Reize darstellt.

Grundlagenforschung für Therapien

Die Erkenntnisse des Expertenteams bilden eine wichtige Grundlage für die weitere Erforschung der Prozesse im Gehirn während erlernter Furchtreaktionen. Das soll zu einem besseren Verständnis von Angsterkrankungen und damit zukünftig zu gezielten neuen Therapieansätzen führen. (pte)

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