Nicht unsere Art - von RAU

18. August 2003, 10:27
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Wegen Kinderlärm mit Eisenstangen aufeinander losgehen, das ist nicht die österreichische Art. Sagt Innenminister Ernst Strasser zur Massenschlägerei zwischen Moldawiern und Tschetschenen im Flüchtlingslager Traiskirchen. Nicht die österreichische Art! Wann war das letzte Mal, dass ein durchgedrehter (Früh-)Pensionist mit dem Luftdruckgewehr auf tobende Kinder geschossen hat? Das Innenministerium wird wohl Zugriff aufs APA-Archiv haben. Sollte nicht allzu schwer festzustellen sein. Nicht die österreichische Art! Das Land, in dem Vati die Mutti mit der Pumpgun wegbläst, weil die Suppe zu kalt aufgetragen wurde! Tschetschenen sind besonders aggressiv, sagt Strasser. Mag schon stimmen (bei gewissen Tschetschenen). Aber die Kombination aus Gluthitze, Überbelegung, Nichtstun, Perspektivlosigkeit und "Betreuung" durch eine unerfahrene deutsche Privatfirma mit ausschließlich finanziellem Interesse (im Gegensatz zu Diakonie, Caritas usw.) schafft Konfliktpotenzial, von dem man nicht völlig überrascht werden sollte. Das ist keine "Humanitätsduselei". Mit Strasser, der als (christlich-) sozial engagiert galt, ist entweder eine eigenartige Wandlung vor sich gegangen oder man hat sich in ihm getäuscht. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2003)
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