Bis zu einem halben Prozent mehr Wachstum

14. August 2003, 13:15
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Deutschland: Vorziehen der Steuerreform hilft Experten zufolge der Konjunktur auf die Sprünge

Das Vorziehen der Steuerreform um ein Jahr auf 2004 leistet einen erheblichen Beitrag zur Wirtschaftsbelebung in Deutschland. Dies ist die einhellige Meinung von Wirtschaftsforschungsinstituten und Experten. Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Norbert Walter, wird dies ein zusätzliches Wachstum von bis zu 0,5 Prozent bringen.

Ifo-Institut prescht vor

Das Münchner Ifo-Institut hat deshalb vergangene Woche als erstes der Wirtschaftsforschungsinstitute die Wachstumsprognose für nächstes Jahr von 1,5 auf 1,7 Prozent erhöht. Die positiven Impulse für das Wachstum durch das Vorziehen der Steuerreform schätzt das Institut auf 0,3 Prozent.

Das Institut verwies aber auf einen Wermutstropfen: Die Steuerentlastung bedeute, dass Deutschland 2004 noch deutlicher als erwartet gegen den EU-Stabilitätspakt verstoßen werde. Denn der Großteil der Entlastungen von insgesamt 15 Milliarden Euro für die Steuerzahler soll durch eine Erhöhung der Neuverschuldung aufgebracht werden, der Rest durch Subventionsabbau.

Einzelhandel zufrieden

Nach Einschätzung des Ifo-Instituts wird der private Verbrauch 2004 um 1,9 Prozent zulegen. Noch vor einem Monat hatte das Ifo nur mit einem entsprechenden Anstieg von 1,3 Prozent gerechnet. Der Einzelhandel spürt nach eigenen Angaben schon jetzt die positiven Effekte der Steuererleichterungen. Jeder Steuerzahler soll laut den Versprechungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder eine Entlastung von durchschnittlich zehn Prozent bekommen, wobei Bezieher höherer Einkommen stärker profitieren.

Sowohl der Ifo-Geschäftsklimaindex als auch die GfK-Konsumklimastudie verzeichnen einen Aufschwung nach oben, seit das Vorziehen der Steuerreform von der rot-grünen Regierung angekündigt wurde.

Allerdings muss noch der von CDU und CSU dominierte Bundesrat zustimmen. In den nächsten Wochen muss eine Einigung über die einzelnen Bereiche beim Subventionsabbau erreicht werden. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD Print-Ausgabe, 12.8.2003)

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