Gegen die herrschende Moral

13. August 2003, 01:00
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Vor 50 Jahren erregte der Kinsey-Report über das weibliche Sexualverhalten Aufsehen

Satte 759 Seiten umfasst der Bericht über das "Sexual Behavior in the Human Female", den Alfred Kinsey, Wardell Pomeroy, Clyde Martin und Paul Gebhard 1953 in den USA vorgelegt haben. Es sind die Ergebnisse einer Untersuchung des Instituts für Sexualforschung der Universität von Indiana, die auf Fallstudien mit 5.940 weißen US-Amerikanerinnen basierten.

Der Kinsey-Report, wie er in der Folge verkürzt genannt wurde, rührte nicht nur an den strengen Moralvorstellungen der Vertreter christlicher Konfessionen, sondern ebenso an jenen weiter Gesellschaftskreise der frühen und prüden 50er-Jahre.

Was erzürnte die Gemüter?

Den Autoren der Sexualstudie wurde vorgeworfen, absolute Tabus wie Masturbation, Petting, vor- und außerehelichen Geschlechtsverkehr und weiblichen Orgasmus auszubreiten, breitzutreten, was dem öffentlichen Bewusstsein schaden würde.

Es wurde bekannt, dass jede zweite US-Amerikanerin vorehelichen Sex hatte (Männer zu 83 Prozent) und 28 Prozent der verheirateten Frauen sowie 50 Prozent der Ehemänner ihren PartnerInnen schon einmal untreu gewesen sind. Die Kirchenherren wehrten ab: die Studie könne auf keinen Fall repräsentativ sein. Stattdessen betonten sie die "heilige Einheit" von Liebe, Ehe und Sexualität ausschließlich im Dienste der Fortpflanzung.

Bereits 1948 war ein ähnlicher Bericht über das männliche Sexualverhalten publiziert worden; die Reaktionen darauf hatten bei weitem nicht so hohe Wellen geschlagen. Mit der Etablierung der Neuen Frauenbewegung Ende der 60er-Jahre wurden dann dem patriarchal orientierten Kinsey-Report neue Untersuchungen aus weiblicher Sicht entgegen gesetzt. (dabu)

  • Dieses Werk (Bild einer Neuausgabe) erregte in der Prüderie der frühen 50er-Jahre Entsetzen.
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    Dieses Werk (Bild einer Neuausgabe) erregte in der Prüderie der frühen 50er-Jahre Entsetzen.
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