Rätselhafte Frauenmorde in Mexiko

11. August 2003, 19:41
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Über 300 Frauen wurden seit 1993 ermordet - amnesty international kritisiert "Duldung" und Verschleierung der Behörden

London/Wien, 11. August 2003 - Seit 1993 sind in den mexikanischen Städten Ciudad Juárez und Chihuahua 370 Frauen ermordet worden. Mindestens ein Drittel der Frauen ist vor ihrem Tod vergewaltigt worden. 75 Leichen konnten bislang nicht identifiziert werden. Die meisten Taten sind bis heute nicht aufgeklärt worden. "Das Versagen der Behörden kommt einer stillschweigenden Duldung und Toleranz gleich", zeigt sich Michaela Klement, Pressesprecherin von ai-Österreich, entsetzt.

Viele der Frauen wurden entführt, für mehrere Tage gefangen gehalten, gedemütigt, gefoltert und vergewaltigt, bevor sie ermordet wurden. Ihre Körper wurden dann inmitten von Schutt zurückgelassen und in stadtnahen Wüstenregionen aufgefunden.

Nach Angaben von lokalen Menschenrechtsorganisationen sind bis zu 400 Frauen spurlos "verschwunden". Viele Opfer arbeiteten in der Nähe der Grenze zu den USA in Fabriken, sogenannten "maquiladoras", die von ausländischen Firmen errichtet worden sind, um das niedrige Lohnniveau auszunutzen.

Behörden gaben Opfern die Schuld

"Für viele Frauen, die nach Ciudad Juárez und Chihuahua gehen, um Arbeit zu finden, wird ihr Traum, neue Chancen zu finden, zu einem Alptraum", so Klement. "Es ist beschämend, dass in den ersten paar Jahren, als die Entführungen und Morde begannen, die Behörden in ihren öffentlichen Äußerungen offene Diskriminierung gegenüber den Frauen und ihren Familien an den Tag legten. Bei mehr als einer Gelegenheit wurden den Frauen für ihre eigenen Entführungen oder Morde die Schuld gegeben: wegen der Art, wie sie sich kleideten oder weil sie nachts in Bars arbeiteten."

Polizist in einem Fall als Täter identifiziert

Polizei und Justiz zeigen mangelndes Interesse an einer Aufklärung der Mord- und Entführungsserie. Die Behörden von Ciudad Juárez und Chihuahua gehen Informationen nicht nach oder verschleppen die Ermittlungen. "Obwohl fast jede Woche eine Frau verschwindet oder ermordet wird, unternehmen die Behörden so gut wie nichts, um weitere Verbrechen zu verhindern", so Klement. "In einem amnesty international bekannten Fall konnte eine Frau einen Polizisten als Täter identifizieren. Trotzdem stellten die Behörden die Ermittlungen faktisch ein."

Dem entgegen behaupten die Behörden, die meisten Verbrechen aufgeklärt zu haben. 79 Personen wurden im Zusammenhang mit den Morden und Entführungen verurteilt. amnesty international liegen jedoch Berichte vor, dass mehrere Angeklagte unter Folter zu Geständnissen gezwungen wurden.

amnesty international fordert Präsident Fox auf, Schutzmaßnahmen für die Frauen einzuleiten und die Angehörigen der Opfer zu entschädigen. Die Bundesbehörden müssen gemeinsam mit den örtlichen Stellen alle erforderlichen Mittel einsetzen, um die Verbrechen zu beenden und die Täter endlich strafrechtlich zu verfolgen, sagte Klement. (red)

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