Hunderte Hitzetote in Frankreich

12. August 2003, 10:16
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Derzeit scheinen Franzosen am meisten in Europa zu leiden, Hunderte sind ihr schon erlegen, in vielen Leichenhäusern ist kein Platz mehr

Paris/Lissabon/London/Berlin/ Oslo - Es ist Frankreichs heißester und trockenster Sommer seit langem - und der mörderischste. Der Hitze um 40 Grad fallen immer mehr alte und kranke Menschen zum Opfer. Rettungsdienste und Krankenhäuser sind überlastet, in den Leichenhallen des Pariser Beckens ist mittlerweile kein Platz mehr. Offiziell gibt es noch keine genauen Zahlen, doch rechnet auch die nationale Gesundheitsdirektion "über den Daumen gepeilt leider mit Hunderten Toten".

Klimaanlagen fehlen

Auf Anordnung der Pariser Polizei hin wurde am Wochenende sogar das gerichtsmedizinische Institut "dienstverpflichtet", Kühlboxen für Tote zu öffnen, auch wenn es sich nicht um suspekte Fälle handelt. Der Chef der Pariser Notärzte spricht bereits von einer "nationalen Gesundheitskatastrophe". In vielen Seniorenheimen fehlen Klimaanlagen. Wasserverlust und Austrocknung des Körpers sind speziell für alte Menschen lebensgefährlich. Die französische Regierung erwägt Ausnahmeregeln für Atomkraftwerke. Denkbar sei, dass das Reaktorkühlwasser beim Einleiten in die Flüsse wärmer sein dürfe als sonst. Die Bürger sollten Energie sparen, zum Beispiel durch das Einschalten von Klimaanlagen erst beim Betreten eines Raums.

In Südfrankreich und in Portugal stehen weiter Wälder in Flammen. In der Algarve waren am Montag fast 300 Feuerwehrleute und 60 Soldaten mit 90 Löschfahrzeugen im Einsatz. Auch in Italien und in der Schweiz führte die Hitze immer wieder zu neuen Waldbränden. 100 Grad Fahrenheit In Großbritannien wurde erstmals seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen die Marke von 100 Grad Fahrenheit (37,7 Grad Celsius) überschritten. In Deutschland, wo sich die Temperaturen auch der 40-Grad-Marke näherten, meldete die Firma Ferrero, sie werde vorerst eine Woche länger als sonst im Sommer keine Kinder-Überraschungseier ausliefern, um Qualitätsminderung durch Hitze zu vermeiden. Auch Ferrero Österreich hat sich dieser Maßnahme angeschlossen. In Norwegen scheint sich ein Ende der Hitzewelle bei Temperaturen um 30 Grad anzubahnen. Am Montag haben Wettervorhersagen auf Bewölkung, kräftigen Regen und vor allem sinkende Temperaturen bei der Bevölkerung deutlich Freude ausgelöst. (dpa, AP/DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2003)

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