Mozart-Regisseur Herheim stellt sich der Kritik

11. August 2003, 19:29
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Lebhafte Debatte über die "Entführung aus dem Serail" - Ruzicka: "Die Salzburger Festspiele sind kein Museum mehr"

Salzburg - Heftige Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern der Aufführung von Mozarts "Entführung aus dem Serail" bei den Salzburger Festspielen gab es Montag (11.8.) Nachmittag im Salzburger Schüttkasten. Die Debatte wurde in Anwesenheit von Regisseur Stefan Herheim hoch emotionell, aber respektvoll geführt. Festspielintendant Peter Ruzicka nahm den fundamentalistischen Herheim-Kritikern mit der Aussage "Die Salzburger Festspiele sind kein Museum mehr" viel Wind aus Segeln. Herheim meinte dem zahlreich erschienen Publikum gegenüber: "Niemand weiß wirklich, was Mozart wollte."

Eine Reihe von Herheim-Kritikern warfen Ruzicka vor, das Publikum vor der Premiere nicht ausreichend informiert zu haben. Ein Salzburger Nobeljuwelier sagte: "Wir bezahlen viel Geld für die Karten. Die Salzburger Festspiele leben von uns und mögen uns zufrieden stellen."

Grenzen interpretatorischer Freiheit

Sachlich differenzierter argumentierte der Salzburger Komponist Gerhard Wimberger. "Zwar gibt es keine Werttreue in der Kunst, sonst gebe es keine Weiterentwicklung. Trotzdem gibt es Grenzen interpretatorischer Freiheit, die etwas mit künstlerischer Verantwortung und Demut zu tun haben. Herheim hat nichts von beiden. Seine 'Entführung' ist Revueklamauk voller läppischer Gags." Der Salzburger Dirigent Leopold Hager stieß ins selbe Horn: "Wenn Musiker so mit der Partitur umgingen wie Herheim mit dem Libretto, dann wäre ein einziges Chaos die Folge."

Heftiger Widerspruch kam unter anderem vom Redakteur der Süddeutschen Zeitung, Bernd Sucher. "In der Kunst ist alles erlaubt, was nicht laut Gesetz verboten ist. Kunst ist per se Regelverletzung. Nichts ist langweiliger als das Erfüllen von Erwartungshaltungen. Salzburg guckt nicht hin." Ein Herheim-Fan aus dem Publikum: "Ich glaube, Salzburg hat keine Theaterkrise, sondern eine Publikumskrise. Wenn alle im Publikum so konservativ wären, dann wären wir im vergangenen Jahrtausend. Das wirklich Unangenehme und Skandalöse ist nicht die Inszenierung durch den Regisseur, sondern die destruktive Reaktion eines Teils des Publikums." (APA)

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