Karsai: Kundus als Stationierungsort für deutsches Team geeignet

13. August 2003, 12:34
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Struck erörtert Einsatz eines Aufbauteams mit afghanischer Regierung

Kabul/Termes - Die afghanische Übergangsregierung hat Kundus im Norden des Landes als geeignetes Gebiet für die Stationierung eines deutschen Wiederaufbauteams erklärt. Das sagte der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck am Montag nach einem Gespräch mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und Verteidigungsminister Mohammed Fahim in Kabul. Beide hätten aber auch andere geeignete Einsatzorte genannt. Lediglich vom Gebiet an der Grenze zu Pakistan hätten sie abgeraten.

Karsai und Fahim hätten das Konzept der Wiederaufbauteams als "richtige Möglichkeit" zur Stabilisierung des Landes unterstützt, so der deutsche Minister nach fast zweistündigen Gesprächen mit den afghanischen Regierungsvertretern. Eine Präferenz für eine bestimmt Region äußerten sie nach Angaben Strucks allerdings nicht. Beide hätten Deutschland den möglichen Einsatzort freigestellt. Vor einem Einsatz nahe der Grenze zu Pakistan hätten Karsai und Fahim wegen der dortigen schlechten Sicherheitslage jedoch gewarnt.

Die deutsche Rot-Grün-Regierung hat die nordafghanische Stadt Kundus als Standort für ein gemischtes Team aus Soldaten und zivilen Helfern ins Auge gefasst. Die Aufbauteams könnten nach Meinung Karsais auch hilfreich sein bei der Vorbereitung der im Sommer 2004 geplanten ersten freien Wahlen in Afghanistan, sagte Struck. Die deutsche Regierung will bis Ende des Monats über die Stationierung eines so genannten Provincial Reconstruction Teams entscheiden.

"Das geht nicht schnell"

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, hält es nicht für realistisch, dass noch in diesem Jahr ein deutsches Aufbauteam in die afghanische Provinz gehen wird. "Das geht nicht schnell", sagte er der dpa in der südusbekischen Stadt Termes. Aus militärischer Sicht müsse zunächst der Auftrag genau definiert und der Einsatz sorgfältig vorbereitet werden. Laut Schneiderhan ist "die Zeit reif", sich Gedanken über die Stabilisierung Afghanistans zu machen.

Struck betonte, dass ihm eine möglichst breite Mehrheit im Bundestag für die Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes besonders wichtig sei. "Darauf haben die Soldaten einen Anspruch." Diese Frage dürfe nicht in einem parteipolitischen Streit entschieden werden. Die internationale Staatengemeinschaft sei derzeit nicht in der Lage - "und so sieht es im Moment auch aus" - die Präsenz der ISAF-Soldaten auf 10.000 oder 20.000 Soldaten zu verstärken, sagte Struck. Karsai und Fahim zeigten sich überzeugt, dass die geplanten Wahlen Mitte nächsten Jahres stattfinden könnten. (APA/AP/dpa)

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