"Unversorgte" 21 Flüchtlinge in Wiener Betreuung untergebracht

14. August 2003, 17:57
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Hatten Unterkunft in der Steiermark verlassen und sich auf den Weg nach Traiskirchen gemacht - Dort wurde ihnen jedoch die Aufnahme verweigert

Wien - 21 Flüchtlinge, die vergangene Woche eine Pension in der Steiermark, in der sie in Bundesbetreuung untergebracht waren, wegen angeblich unhaltbarer Zustände verlassen hatten, wurden heute, Montag, in einer Wiener Betreuungsstelle untergebracht. Laut dem Sprecher der Vizebürgermeisterin Grete Laska (S), Martin Wagner, war das die "Ausnahme der Ausnahme". Die Ressourcen in Wien seien erschöpft.

Grundversorgungsmodell gefordert

Laska forderte Innenminister Ernst Strasser (V) auf, eine österreichweite Lösung des Grundversorgungsmodells für Flüchtlinge zu finden. Im Süden Österreichs seien die Betreuungsstellen weniger überfüllt wie etwa in Wien.

Am Montagnachmittag fanden sich die aus Tschetschenen, Irakern, Philippinos und Äthiopiern zusammengesetzte Gruppe, darunter eine Schwangere und zwölf Kinder, vor der SPÖ-Bundesparteizentrale ein und erhielten improvisierte Hilfe in Form von Getränken und Lebensmitteln. Die Unterkunft in der Steiermark hätten sie verlassen, weil sie u.a. weder Trink- noch Warmwasser erhalten hätten und das Essen ungenießbar gewesen sei, berichteten die Flüchtlinge von einer unerträglichen Situation.

Hätten keinerlei ärztliche Betreuung bekommen

Zudem hätten sie keinerlei ärztliche Betreuung bekommen. Insgesamt 30 Menschen hätten sich am vergangenen Mittwoch auf den Weg nach Traiskirchen gemacht. Dort sei ihnen aber die Aufnahme verwehrt worden. Einige Angehörige der Gruppe seien in der Umgebung von Traiskirchen geblieben, der Rest pendle seither mit der Badner Bahn nach Wien, um Hilfe zu suchen.

Martin Schenk von der Diakonie Österreich und Vorstandsmitglied von Hemayat Österreich, einer Organisation, die traumatisierte Flüchtlinge betreut, berichtete gegenüber der APA, die Menschen hätten seit Tagen kein Dach über dem Kopf. "Sie sagen, dass sie einmal Glück gehabt hätten und bei einer Kirche duschen durften", so Schenk.

Innenministerium bot Rückkehr an

Der Sprecher von Innenminister Ernst Strasser (V), Johannes Rauch, sagte der APA, dass die Flüchtlinge die Möglichkeit gehabt hätten, jederzeit in die Bundesbetreuung in der Pension in Arnfels zurückzukehren. Von Traiskirchen aus wäre ihnen ein Bus zur Verfügung gestellt worden, der sie in die Steiermark bringt. Die Asylwerber wollten dieses Angebot nicht in Betracht ziehen.

Die Kritik der Flüchtlinge an ihrer steirischen Unterkunft stößt im Innenministerium auf Unverständnis. Die Pension sei "völlig in Ordnung", das habe jüngst erst die Caritas Steiermark bestätigt, betonte Rauch. Dass es Wassermangel gegeben habe, treffe zu, allerdings seien nach einem Rohrbruch mehrere Ortsteile von Arnfels eine Zeit lang ohne Wasser gewesen, nicht nur die Flüchtlingspension, bis der Schaden behoben werden konnte.(APA)

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