Europas Hitze lässt Afrikaner lachen

18. August 2003, 11:44
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Der Winter im Süden des Kontinents lockt mit mild-sommerlichen Temperaturen

Bamako - Europa schwitzt, Afrika schmunzelt. Von Nord bis Süd klopfen sich viele ansonsten selbst hitzegeplagten Afrikaner vor Lachen auf die Schenkel, angesichts der europäischen Antworten auf die Sommerhitze. Entsprechende Fernsehbilder entpuppen sich als Publikumsmagnet.

"Für die Afrikaner ist es lustig zu sehen, wie wir Europäer mit der Hitze umgehen. Wo wir schwitzen, ist bekanntlich Afrika", meint Paul Mben hintersinnig. Der 25-jährige Journalist, der nach seinem Politikstudium in Mannheim nun in Bamako arbeitet, steht in seiner Heimat mit dieser Meinung nicht allein.

Belachte Hundehütte

In der Hauptstadt des westafrikanischen Wüstenstaats Mali vergessen die Kellner bisweilen vor lauter Staunen ihre Gäste, wenn sie TV-Bilder von Europas Rekordsommer sehen. Den größten Heiterkeitserfolg erzielte die klimatisierte Hundehütte eines Tüftlers aus Frankreich.

Auch die Dusche aus dem Schlauch für Elefanten in den deutschen Tiergärten wirkt in Afrika, wo Wasser kostbar ist, eher skurril. "Wenn das so weitergeht, können wir die Europäer demnächst mit unseren gemäßigten Temperaturen nach Afrika locken", grinst Vieux Diarra, während er am Steuer eines Minibusses Bamakos Pfützen ausweicht.

Die dunklen Regenwolken über der Stadt haben die Temperaturen auf 27 Grad Celsius abgekühlt - weit von Europas derzeitigen Rekordwerten um 40 Grad entfernt. So wird Afrika für Sonnenhungrige auf der Suche nach gemäßigten Temperaturen zur Alternative.

In Südafrika, wo jetzt Winter ist, stellen Tourismustreibende zufrieden fest, wie immer mehr Europäer die Vorzüge des dortigen Klimas entdecken. Sonnenschein mit Temperaturen um die 25 Grad lassen auch die Kälteeinbrüche am Abend vergessen.

"Wir wollen versuchen, den südafrikanischen Winter als Urlaubsalternative zu vermarkten", hatte Cheryl Carolus von Südafrikas Tourismusbüro bereits vor Monaten die Marschrichtung vorgegeben. Europas Hitze gibt dem Konzept nun Auftrieb.

Hotels ausgebucht

Ob in der historischen Goldgräberstadt Pilgrims Rest, der einmalig schönen Naturlandschaft um das Feuchtgebiet von St. Lucia oder im Krüger-Nationalpark: Viele Hotels und Pensionen sind auf Wochen hinaus ausgebucht. Vor allem für Wildbeobachtungen ist der Winter auf der südlichen Erdhalbkugel wegen des abgefallenen Blattwerks optimal.

"Man sieht mehr Tiere als sonst", fand die Berlinerin Melanie Poppe während ihres Urlaubs am Kap. Ihre Schilderungen über die heißen Temperaturen in ihrer Heimat lösten selbst bei hart gesottenen Südafrikanern Schaudern aus. "Bei solchen Temperaturen würde ich auswandern", meinte eine mitfühlende Postangestellte. (dpa/Ralf E. Krüger, DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2003)

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    Mag es dem Elefanten im Münchner Zoo gefallen, Afrikaner lachen über den europäischen Umgang mit der Hitze.

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