Europa stöhnt weiter unter Gluthitze

13. August 2003, 19:46
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Über hundert Tote in Frankreich - Waldbrände an der Algarve sind außer Kontrolle

Paris/Barcelona/Lissabon/Mailand - Europa leidet weiter unter Gluthitze und verheerenden Bränden: Nach Einschätzung von Notärzten sind in Frankreich bisher mehr als 100 Menschen an den Auswirkungen der extremen Hitze gestorben. Opfer sind auch in Italien und Spanien zu beklagen. Die Waldbrände an der portugiesischen Algarve wüten unterdessen unvermindert weiter, die Feuerwehr ist weitgehend machtlos.

Allein bei Paris fünfzig Personen gestorben

Die Situation in den Krankenhäusern werde "immer schlimmer", sagte am Dienstag in Paris der Vorsitzende der Notärzte-Vereinigung, Patrick Pelloux. Allein im Großraum Paris seien in der vergangenen Woche etwa 50 Personen gestorben. Bei den Opfern handelt es sich zumeist um sehr alte und kranke Menschen, die bereits geschwächt sind. In Südfrankreich haben unterdessen Feuerwehrleute nach tagelangem Einsatz zwei Waldbrände unter Kontrolle gebracht. Das Feuer im Hinterland von Nizza, das bisher mehr als 2.000 Hektar Wald vernichtet hat, breite sich nicht mehr aus, hieß es nach Angaben der Feuerwehr. Auch ein Brand in den Cevennen, dem seit Sonntag fast 1.200 Hektar Wald und Unterholz zum Opfer gefallen sind, sei unter Kontrolle.

Frankreich drosselt Stromproduktion

Unterdessen drosselte Frankreichs staatliche Stromgesellschaft Electricite de France (EdF) wegen der anhaltenden Hitze die Stromproduktion. "In den vergangenen Tagen haben wir die Produktionskapazität um 4.000 Megawatt zurückgefahren, was (der Leistung) von vier Kernkraftwerken entspricht", sagte EdF-Chef Francois Roussely dem Rundfunksender France Inter. Umweltschützer kritisierten Sondergenehmigungen für französische Kernkraftwerke, ihr Kühlwasser weiter in die überhitzten Flüsse abzuleiten.

Acht Opfer in Mailand

In Mailand sind nach Angaben italienischer Medien mindestens acht ältere Menschen an den Folgen der Hitzewelle gestorben. Einige Zeitungen sprachen sogar von zwölf Hitzetoten in den vergangenen Tagen. "Die Zahl liegt ganz eindeutig über dem Durchschnitt", berichteten Ärzte. Immer mehr Menschen kämen mit Kreislaufschwäche ins Spital. Seit fast 250 Jahren sei es nicht mehr so heiß in der Stadt. In vielen italienischen Städten, vor allem im Norden, ist es seit Tagen und Wochen um die 40 Grad heiß. In Alessandria wurden 42,9 Grad gemessen, selbst in Bozen in Südtirol 39,5 Grad.

Panik auf Sardinien

Die italienische Feuerwehr kämpfte weiter gegen mehrere Wald- und Buschbrände. In Piemont und bei Pesaro an der Adria setzte sie Löschflugzeuge ein. Am Montag gab es auf Sardinien Panik unter Touristen. Ein Feuer hatte an der Costa Smeralda einen Campingplatz an der Küste eingeschlossenen, etwa 300 Touristen mussten mit Booten in Sicherheit gebracht werden.

In Spanien sind der extremen Hitzewelle zwei weitere Menschen zum Opfer gefallen. Nach Behörden- und Klinikangaben vom Dienstag starben ein 62-Jähriger in Saragossa im Norden und eine alte Frau in Cordoba im Süden des Landes an den Folgen der Hitze. Damit stieg die Zahl der Hitze-Toten seit Ende Juli auf 24.

Seltsam in Zusammenhang mit der Hitzewelle mutete eine Meldung aus Großbritannien an. Ein Brite zog sich Erfrierungen an den Zehen zu. Er hatte sie im Auto zu lange und zu nahe an den Ventilator einer Klimaanlage gehalten. (APA/dpa/AFP/AP/Reuters)

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