Nichts gelernt aus der Flutkatastrophe?

14. August 2003, 11:41
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WWF bemängelt: Keinerlei Umdenken im Wasserbau

Wien - Die bisher größte Flutkatastrophe der österreichischen Geschichte hat keineswegs zum Umdenken im Wasserbau beigetragen, kritisiert der World Wide Fund for Nature (WWF). Der Trend zum so genannten harten technischen Verbau sei durch die Angst vor einer erneuten Flut noch verstärkt worden, hieß es. Beobachtungen der "Riverwatcher" der Organisation würden zeigen, dass in den vergangenen zwölf Monaten Flüsse wieder verbaut, Ufervegetationen kahl geschlagen, Dämme errichtet und mehr Kraftwerke geplant wurden denn je.

Der WWF vom zuständigen Minister Josef Pröll (V) ein Programm für potenzielle Renaturierungsbereiche, um die Hochwassergefahr nachhaltig zu verringern. "Ein Jahr lang ist nichts in diese Richtung passiert, nun müssen auf schöne Worte auch endlich Taten folgen," so Ulrich Eichelmann, Auenökologe des WWF.

In den Schubladen

Laut WWF geht der Wasserbau in Österreich "eindeutig in die falsche Richtung": Flüsse, die sich beim Hochwasser ihren natürlichen Verlauf wieder holten, seien zurück gebaut worden. Über 80 Kilometer Böschungen und Teile von Auwäldern seien nicht von losen Bäumen und Ästen gesäubert, sondern regelrecht kahl geschlagen worden. Im Nationalpark Donau-Auen solle der Fluss zu gunsten der Schifffahrt ausgebaggert werden. Und zu guter Letzt würden an vielen der letzten noch naturnahen Bäche und Fließstrecken, wie am Kalserbach in Tirol oder an der Ybbs, Kraftwerke geplant.

In Österreich liegen laut WWF Projekte für 1.400 Kilometer Gewässer in den Schubladen, ohne realisiert zu werden. Nach neuesten Kenntnissen könnten alleine an 16 größeren Flüssen in Ostösterreich Überflutungsräume von ca. 18.000 Hektar gewonnen werden. "Wir fordern daher eine Renaturierungsoffensive, in der konkrete Projekte umgesetzt werden," so Eichelmann abschließend. (APA)

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