VA-Tech-Deal erregt weiter die Gemüter

14. August 2003, 09:11
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Finanzmarktaufsicht prüft umstrittenen Verkauf - Mirko Kovats, nunmehr größter Einzelaktionär, ist nach dem ÖIAG-Aktien-Deal "sehr verärgert"

Wien - Der am vergangenen Freitagnachmittag ohne nennenswerte Kursveränderungen über die Bühne gegangene Verkauf von neun Prozent an der VA Tech aus dem Portfolio der Staatsholding ÖIAG durch die Deutsche Bank führt im Wiener Markt weiter zu heftigen Spekulationen.

Die ÖIAG hat mit dem Verkauf der 1,35 Millionen Stück Aktien rund 33 Mio. Euro Privatisierungsgewinn gemacht und ein Kursplus der VA- Tech-Aktie von 75 Prozent im heurigen Jahr realisiert.

FMA wird aktiv

Die Finanzmarktaufsicht kündigte am Montag gegenüber dem STANDARD an, den Deal zu prüfen. Die Deutsche Bank gibt dazu keinen offiziellen Kommentar ab. Die ÖIAG sagte, die neun Prozent seien unter in- und ausländischen institutionellen Investoren breit gestreut worden. Kein Einzelinvestor habe mehr als zwei Prozent erworben.

Kovats' Ärger ist groß

Der Sanierer und Industrielle Mirko Kovats (19 Prozent) ist damit der größte VA-Tech- Aktionär, nachdem der Anteil der ÖIAG auf 15 Prozent gefallen ist. Kovats gibt sich im Gespräch mit dem STANDARD "sehr verärgert" über die Intransparenz des Verkaufsvorgangs. Kovats: "Ich halte das für sehr schädlich für das Unternehmen, wenn ein so großer Deal über die Bühne geht, ohne dass irgendwer weiß, wer die neuen Aktionäre sind. Ich hoffe, die ÖIAG schafft Klarheit. Wenn es hier Gedächtnislücken gibt, kann vielleicht die Finanzmarktaufsicht auf die Sprünge helfen."

Hintergründe unklar

Spekuliert wird im Markt nun darüber, dass Kovats deshalb verärgert sei, weil ihm nahe stehende Fonds nicht zum Zug gekommen sind, die in einer späteren Hauptversammlung im Stimmverhalten mit ihm hätten gehen können. So wäre es Kovats möglich geworden, zwar weiterhin unter 20 Prozent an der VA Tech zu halten und kein Übernahmeangebot an alle anderen Aktionäre stellen zu müssen, aber dennoch im Konzern den Ton anzugeben.

Dem Vernehmen nach waren "Kovats & Friends" schlicht und ergreifend nicht bereit, 24,60 Euro (Kurs, zu dem die neun Prozent platziert wurden) je VA-Tech-Aktie zu zahlen.

Kovats kontert

Als Reaktion "überlegt" Kovats nun, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Zu den geplanten Tagesordnungspunkten wollte sich Kovats noch nicht äußern. Angekündigt hat er allerdings vor kurzem, einen oder mehrere Aufsichtsratssitze anzustreben. Die Absicht, relativ rasch VA-Tech-Generaldirektor Erich Becker ablösen zu wollen, hat Kovats bisher klar in Abrede gestellt. (Karin Bauer, Michael Bachner, DER STANDARD Print-Ausgabe, 12.8.2003)

  • Kein Ende der Eruptionen in der Staatsholding ÖIAG.
    montage: derstandard.at

    Kein Ende der Eruptionen in der Staatsholding ÖIAG.

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