Nahaufnahmen des Entfernten

17. August 2003, 23:26
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Fotografieren in Japan - Die Bezirke Yamagata und Oita im abendländisch vorgeschulten Auge

Seit 1999 lädt das EU-Japan-Fest-Komitee europäische FotokünstlerInnen ein, jeweils bestimmte Präfekturen Japans zu bereisen, in ihrer Arbeit zu thematisieren. In diesem Jahr hat Christine Frisinghelli die KünstlerInnen ausgewählt. Abseits klischee- freundlich gestylter Zentren standen den abendländisch vorgeschulten Augen die Bezirke Yamagata und Oita zur Verfügung, das ungewohnte Territorium - eingedenk des nur vermeintlich objektiven Mediums Foto - zu erforschen. Um bildliche Aneignung geht es Michael Danner auf seinen Streifzügen durch Yamagata. Also ist er in der Fremde dem Vertrauten auf der Spur, findet es in westlich angehauchter Bauform oder Kleidung und handelt aber nebenbei die im geschützten Umfeld ausgemachten Exotismen nur scheinbar kommentarlos ab. Er verkauft sie vielmehr still romantisierend, wenn etwa Wanderer durch Nebelschwaden schreiten oder der Mensch - ganz klein ins Bildfeld eingebracht - die vor ihm ausgebreitete Natur belauscht.

Das technisch perfekt erzeugte Foto ist für Agniezka Wolodzko keine gültige Maxime. Unprätentiöse Schnappschüsse frei aus dem Handgelenk sind das nicht selten recht verwackelte Ergebnis ihres Aufenthalts, das sie tagebuchartig sequenziell zusammenstellt. So wird die Kamera ein drittes, ständig bewegtes Auge, das nicht in der Schuld steht, für seine Auswahl vorab Rechenschaft zu leisten. Margherita Spiluttini hat in Oita fotografisch festgehalten, was sie auch hierzulande gerne aufnimmt: den menschlichen Eingriff in die dann entzweite, wenn nicht gar streng in Form gebrachte Landschaft, der eine überraschend internationale Sprache spricht. (trag/DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2003)

Palais Thienfeld
Mariahilferstr. 2
8020 Graz
0316/20 03
bis 24. 8.
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