Ölpipeline nahe Bagdad in Flammen

15. August 2003, 15:26
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Brandursache ungeklärt - Mehrere Tote bei Anschlägen - Weiterer Ex-Leibwächter von Saddam verhaftet

Bagdad/Tikrit - In einem Industriegebiet nördlich von Bagdad ist am Dienstag eine Ölpipeline in Flammen aufgegangen. Die Ursache des Brandes war nach Angaben der US-Streitkräfte zunächst unklar. Vor Ort sahen AP-Reporter jedoch zwei Panzer und drei Soldaten, die in Schießstellung am Boden kauerten. Sie ließen weder die Journalisten noch einen irakischen Feuerwehrwagen herankommen und gaben Warnschüsse ab. Am Dienstag hatten die US-Besatzungstruppen drei Tote zu beklagen: ein Soldat wurde bei einem Anschlag auf einen Militärkonvoi getötet, ein weiterer starb bei einem Verkehrsunfall, ein dritter im Camp.

Die Flammen aus der Pipeline schossen rund fünf Kilometer von einer großen Raffinerie entfernt 60 Meter in die Höhe. Über dem Süden der Stadt hing am Nachmittag eine dichte Rauchwolke. Es war nicht klar, ob der Brand auf Sabotage zurückzuführen war. Zahlreiche Pipelines im Irak waren jedoch in den vergangenen Monaten das Ziel von Anschlägen, mit denen ihre Urheber die Lage im Land destabilisieren wollen.

US-Soldat bei Bombenanschlag getötet

Bei einem Bombenanschlag 100 Kilometer westlich der irakischen Hauptstadt Bagdad starb nach US-Militärangaben ein US-Soldat, zwi weitere wurden verletzt. Wie eine US-Militärsprecherin weiter mitteilte, ereignete sich der Anschlag in der Stadt Ramadi, wo am Vormittag gleichzeitig drei Sprengsätze in der Nähe eines US-Konvois detonierten. Im nordirakischen Mossul (Mosul) wurde Augenzeugen zufolge ein US-Militärfahrzeug von einer Panzergranate getroffen. Die Augenzeugen berichten von vier Opfern. Ein Soldat kam in Mossul bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Ein Soldat starb im Schlaf auf einem US-Stützpunkt.

Die Zahl der US-Soldaten, die seit dem am 1. Mai verkündeten Ende der Hauptkampfhandlungen getötet wurden, ist auf mindestens 57 gestiegen. Die USA machen für die Anschläge und Angriffe aus dem Hinterhalt nach wie vor Anhänger des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein verantwortlich.

Flughafen Basra soll noch im August geöffnet werden

Der irakische Verwaltungsrat will den Flughafen der südirakischen Stadt Basra noch in diesem Monat für ausländische Fluggesellschaften öffnen. Sechs ausländische Gesellschaften hätten bereits Flüge angemeldet, teilte der Rat am Montag mit. Seit dem Golfkrieg von 1991 haben kommerzielle Fluggesellschaften den Irak nicht mehr angesteuert, mit Ausnahme der jordanischen Airline Royal Jordanian. Neben Royal Jordanian meldeten jetzt drei weitere arabische Fluggesellschaften, die nordeuropäische SAS sowie die polnische Fluggesellschaft LOT Interesse an Flügen nach Basra an. Die Ernennung neuer irakischer Minister wurde am Montag um drei Wochen verschoben.

Ex-Leibwächter von Saddam verhaftet

US-Soldaten nahmen unterdessen am Dienstag bei Razzien in Saddam Husseins Heimatstadt Tikrit einen weiteren früheren Leibwächter des entmachten irakischen Staatschefs fest. Insgesamt seien bei der dreistündigen Aktion 14 Männer festgenommen worden, darunter auch General, der auch ein führender Funktionär der einstmals regierenden Baath-Partei war. Die Namen der Festgenommenen wurden nicht genannt. An der Militäraktion nahmen den Streitkräften zufolge 250 Soldaten teil. Bei einer Razzia in der Ortschaft Ain Lalin nahe der Grenze zum Iran nahmen die US-Streitkräfte am Montagmorgen 70 Verdächtige in Gewahrsam.

Vermutungen, die nordirakische Untergrundorganisation Ansar-el-Islam könnte hinter den Angriffen auf die Besatzungstruppen stecken, sind nach Ansicht des ehemaligen Anführers der kurdischen Gruppe "wahrscheinlich falsch". Allerdings hätten Ansar-el-Islam-Mitglieder durchaus Grund, die Amerikaner zu hassen, sagte Mullah Krekar, der mittlerweile in Norwegen lebt. Bei den US-Luftangriffen auf Stellungen der Organisation im März seien 253 Menschen getötet worden. Ansar-el-Islam wird von den USA mit dem Terrornetzwerk el Kaida in Verbindung gebracht.

Bericht über Tötung eines Journalisten im April veröffentlicht

Die USA veröffentlichten am Dienstag einen Untersuchungsbericht über die tödlichen Schüsse von US-Soldaten auf einen ukrainischen Journalisten in einem Bagdader Hotel im April. Darin hieß es, die Streitkräfte hätten in Selbstverteidigung gehandelt, da sie zuvor aus dem Hotel heraus beschossen worden seien. Opfer war der 35-jährigen Kameramann Taras Protsyuk, der für die Nachrichtenagentur Reuters arbeitete.(APA/AP/Reuters/dpa)

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    30 Kilometer nördlich von Bagdad.

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