Frankreich prüft Ausnahmeregeln für Atomkraftwerke

12. August 2003, 14:44
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Fünfzig Hitzetote im Großraum Paris

Paris - Wegen der ungewöhnlichen Hitzewelle prüft die französische Regierung Ausnahmeregeln für die Atomkraftwerke des Staatskonzerns Electricite de France (EDF). Denkbar sei, dass das Reaktor-Kühlwasser beim Einleiten in die Flüsse teilweise wärmer sein dürfe als sonst, sagte Industrieministerin Nicole Fontaine am Montag im Radiosender Europe 1 am Rande einer Pariser Sondersitzung von mehreren Ministern mit Vertretern der französischen Stromindustrie. Fontaine versicherte, in jedem Falle würden die ökologischen Auswirkungen solcher Ausnahmeregeln bedacht.

Energie sparen

Die Einleitung von Reaktor-Kühlwasser in Frankreichs Flüsse ist behördlich geregelt, um eine übermäßige Erwärmung mit Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt zu verhindern. Die EDF hatte Ausnahmegenehmigungen gefordert, nachdem sie wegen der Hitze bereits die Stromproduktion in mehreren ihrer Atomkraftwerke drosseln musste. Fontaine betonte, die Lage sei nicht alarmierend. Die Bürger sollten aber Energie sparen, etwa durch das Löschen von nicht benötigtem Licht oder das Einschalten von Klimaanlagen erst beim Betreten eines Raumes.

Fünfzig Personen ums Leben gekommen

Inzwischen sind etwa fünfzig Menschen nach Angaben der französischen Gesellschaft der Notfallmediziner (Amuhf) im Großraum Paris in den vergangenen vier Tagen im Zusammenhang mit der Hitzewelle gestorben. Es sei in der Hauptstadtregion von "rund 50 Toten wegen der Hitze" auszugehen, sagte Amuhf-Präsident Patrick Pelloux am Sonntagabend im französischen Fernsehsender TF1. Er widersprach der Einschätzung der Gesundheitsbehörden, nach der die Menschen alle eines natürlichen Todes gestorben seien. "In diesem August 2003 haben wir es mit einem wahren Massensterben zu tun."

In der Zeitung "Le Parisien" warf Pelloux den Gesundheitsbehörden in scharfer Form vor, völlig unzureichend auf die Hitzewelle reagiert zu haben. Viele alte Menschen würden deshalb Opfer der heißen Witterung: "Die Schwächsten fallen wie die Fliegen." Die meisten der Toten seien bereits durch Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschwächt gewesen.

Waldbrände

Im Südosten Frankreichs wüteten am Wochenende weiter schwere Brände. Auf Korsika und im Departement Lozere brachen neue Feuer aus. Rund 3000 Hektar Land fielen bereits insgesamt den Flammen zum Opfer. Bei Luceram nahe Nizza kämpfte die Feuerwehr den siebenten Tag in Folge mit Hubschraubern und Löschflugzeugen gegen einen schwer zugänglichen Brand an, der mittlerweile 1600 Hektar Wald und Buschland zerstörte. Im Departement Lozere zerstörte ein am Sonntag entstandener Brand innerhalb weniger Stunden 800 Hektar Land in der Nähe des Cevennen-Nationalparks. Von insgesamt drei Campingplätzen mussten 430 Menschen evakuiert werden. (APA)

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