Neue Labors für Biotech

18. August 2003, 10:18
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Trotz schwieriger Bedingungen bisher keine Konkurse am Standort Wien

In München dauert die Krise der Biotechnologie an. In Wien dagegen stehen neue Häuser vor der Eröffnung, die Unternehmen und Wissenschaftern neuen Raum für die industrielle Fertigung neuer Stoffe mithilfe biologischer Prozesse geben werden. Das Vienna Bio Center 1 in der Bohrgasse und das Competencecenter Wien in der Lazarettgasse sollen zwischen November diesen Jahres und Jänner des kommenden fertig gestellt werden.

"Wir haben den ersten Biotechnologieboom nicht mitgemacht. Stattdessen gab es eine kontinuierliche langsame Entwicklung." Christian Bartik vom Zentrum für Innovation und Technologie (ZIT), einer Tochter des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF), glaubt zu wissen, warum die Biotech-Szene der Bundeshauptstadt noch von Konkursen verschont blieb, trotz großer Schwierigkeiten bei der Finanzierung am Venture-Capital-Markt. Er macht sich aber keine Illusionen bezüglich der Überlebenschancen. "Sicher werden es nicht alle Unternehmen schaffen." Derweil habe man aber mit den neuen Bauten einen Rückstand in der Infrastruktur wettgemacht und damit im internationalen Vergleich aufgeholt. Man könne nun mit der mitteleuropäischen Spitze mithalten. Standorte wie die US-amerikanische Biotech-Hochburg Kalifornien liegen natürlich noch immer außerhalb der Reichweite. Das Vienna Bio Center 1 werde zum Beispiel den zusätzlichen Labor- und Bürobedarf von Unternehmen wie Intercell oder Medsystems Diagnostic decken. Im Competencecenter soll etwa die Firma Bioproducts- & Bioengineering AG des ehemaligen Immuno-Chefs Johann Eibl einziehen.

Gemietete Labors

In einen zweiten Neubau in der Bohrgasse soll, wie berichtet, das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA), ein Tochterunternehmen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, einziehen. Es wird 2005 fertig gestellt. In der Zwischenzeit wird die vom bekannten österreichischen Genforscher Josef Penninger geleitete Forschungseinrichtung in gemieteten Labors arbeiten.

Da Wissenschafter noch lange keine großen Manager sein müssen, so Bartik, hat sich eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, die die wirtschaftlichen Faktoren solcher Zentren im Auge behält. Unter dem Titel "Life Science Austria Vienna Region" (LISA VR) agieren die Innovationsagentur des Bundes, das Zentrum für Innovation und Technologie der Stadt Wien und seit kurzem auch der niederösterreichische Standort-Entwickler Eco plus, weil zum Beispiel die Biotech-Szene in Krems in zukünftige Entwicklungen mit eingebunden werden soll.

Beim Laborbestand hat man nachgezogen, was die Kooperationsbereitschaft zwischen Wissenschaft und Wirtschaft betrifft, Bartik sieht aber noch einigen Aufholbedarf in der Bundeshauptstadt. Neue Impulse erhofft er sich durch das neue Ausschreibungsverfahren (Call) "Co Operate" von WWFF und dem Zentrum, das ebensolche Projekte fördern soll.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 8. 2003)

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