Taylor verlässt am Montag Liberia

11. August 2003, 12:31
posten

Designierter Nachfolger Blah will "Waffen niederlegen und Friedenspfeife rauchen"

Monrovia - Der liberianische Präsident Charles Taylor hat nach Auskunft der Botschaft Südafrikas in Monrovia am Sonntag noch ein Mal bekräftigt, am Montag das Land zu verlassen und ins Exil zu gehen. Dies gilt als Voraussetzung für das Ende des liberianischen Bürgerkriegs. Vize-Präsident Moses Blah, ein enger Vertrauter Taylors, soll am Montag vorübergehend die Amtsgeschäfte übernehmen. Blah kündigte am Sonntag ein Treffen mit Vertretern der Rebellen-Organisationen an. "Wir sollten die Waffen niederlegen und die Friedenspfeife rauchen", sagte Blah.

Es gehe ihm dabei um die Einheit des Landes. Am Präsidentenamt selbst habe er kein Interesse. Viele Liberianer sehen den geplanten Wechsel skeptisch. Taylor und Blah seien als einstige Rebellenführer in den gleichen libyschen Lagern ausgebildet worden, hieß es.

450.000 Flüchtlinge

Nach Schätzung der Vereinten Nationen (UNO) leben rund 450.000 Flüchtlinge in der liberianischen Hauptstadt, viele davon hungern seit Wochen, viele sind krank. Die Versorgungslage für die Bewohner der Stadt ist extrem schlecht, da die Rebellen den Hafen, von wo Versorgungsgüter kommen sollten, seit langem blockiert haben. Der Preis für das Grundnahrungsmittel Reis ist bereits auf das Fünffache gestiegen. "Wir danken Gott, dass das Schießen aufgehört hat", sagte ein Monrovianer am Sonntag ausländischen Reportern. "Nun kommen die stummen Waffen ins Spiel - wir sterben hier leise."

Taylor, der am Sonntag seine Abschiedsrede vorbereitete, hatte sich unter amerikanischem Druck grundsätzlich zum Amtsverzicht bereit erklärt. Er wollte das Land jedoch erst dann verlassen, wenn die westafrikanischen Truppen in Liberia angekommen seien. Inzwischen sind rund 800 Soldaten aus Nigeria in Liberia stationiert, um die verfeindeten Regierungssoldaten und die Rebellen auseinander zu halten. Angeblich haben die LURD-Rebellen zugesagt, den Hafen von Monrovia zu öffnen, so bald Taylor, der wegen Kriegsverbrechen in Sierra Leone angeklagt ist, das Land verlassen hat. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Koffer sind gepackt: Charles Taylor verlässt am Montag Liberia

Share if you care.