Klassiker aus Himbeer-und Ananaseis mit Schokoladehaube

13. August 2003, 22:40
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Eskimos Jolly: Österreich schleckt quer gestreift

Manche Dinge kann man nicht verbessern. Das Rad zum Beispiel. Wer es nicht glaubt, der soll es versuchen. Beim Rad. Oder beim Jolly.

Denn auch der Eisklassiker ist eines dieser unverbesserlichen Dinge. Man hat es versucht. Irgendwann – es war ein Sommer, aber welcher genau, spielt heute keine Rolle mehr – gab es einen "Citrusjolly". Kurz. Denn auch wenn man beim Rad vielleicht über Verbesserungen nachdenken kann: Vom Jolly lässt man besser die Finger. Der ist heilig.

Deshalb wird man bei Eskimo nervös, wenn irgendwer in der sengenden Sommerhitze kommt und fragt, ob denn der rosa-gelbe Lutscher mit schokogetunkter Spitze heute tatsächlich genauso aussieht und schmeckt wie damals, als der Fragende, als die Eismanager, als eigentlich die ganze heute erwachsene Welt noch mit Schwimmflügerln durchs Freibad wackelte: Der Jolly, wird da apodiktisch erklärt, ist und war immer der Jolly. Und wird immer der Jolly sein. Das erfolgreichste Eis in der österreichischen Schleckeisgeschichte: Bis zu zehn Millionen Mal gehe der Klassiker über den Ladentisch. Jährlich.

Obwohl: Ob der ewige Favorit in Wirklichkeit nicht doch "Twinni" heißt, gehen bei den Eismachern die Meinungen auseinander. Fest steht aber, dass der Österreicher – und die Österreicherin – am liebsten klassisch schleckt.

Dabei war der Jolly kein programmierter Erfolg: Als Rainer Rigele im Herbst 1967 auf Eis-Scoutingtour nach Italien fuhr, war die Eistafel für die kommende Saison eigentlich schon gedeckt. Bloß: Rigele, damals Brandmanager bei Eskimo, war mit einem "Apfellutscher" gar nicht glücklich – schon gar nicht, als er in Italien auf einen "Arcobaleno" stieß, ein Regenbogeneis.

Zurück in Österreich, erinnert sich der heute 70-jährige Wiener, habe er dann ein quer gestreiftes Eis gefordert und entwickelt: Das Eskimo-Management war zunächst unglücklich über die kurzfristige Sortimentumstellung – dürfte das Aus-dem-Programm-Kippen des "Apfellutschers" mittlerweile aber verkraftet haben.

Der Jolly wird heute – wie alles hierzulande erhältliche Schleckeis – nicht mehr in Österreich, sondern in Deutschland produziert. Und – so wie Twinni auch – ausschließlich für Österreich. Fünf Millionen Jollys überquerten heuer schon die Grenze – ein Plus von fast zwölf Prozent: Die Hitze, seufzt man bei Eskimo zufrieden, zwinge die Eisköche derzeit dazu, Sonderschichten zu fahren. Insgesamt rechne man heuer mit einem Eisabsatzplus von rund zehn Prozent.

Der Jolly, schmunzeln die Eismacher, sei nämlich auch ein "Männereis": Eine der wenigen Staberleis-Sorten, mit denen im Freibad gesehen zu werden nicht einmal den härtesten Typen peinlich sei. Und ein Eis, das das schafft, ist einfach perfekt. Das kann man nicht mehr verbessern. (DER STANDARD, Printausgabe vom 11.8.2003)

Von
Thomas Rottenberg

  • Artikelbild
    foto: eskimo
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