Stromengpässe und Feuersbrünste

11. August 2003, 16:43
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Energieversorger können Stromabschaltungen nicht mehr ausschließen, Brände beschäftigen die Feuerwehren quer durch Europa

München/Berlin/Lissabon/Paris/Rom - Es war, ist und bleibt heiß. In ganz Europa und zumindest bis zur Mitte der Woche. Doch während in vergangenen Hitzewellen die Rekordtemperaturen oft mehr mit dem persönlichen Empfinden als den gemessenen Graden zu tun hatten, überbieten sich diesmal die Rekorde.

So wurden am Samstag im mittelfränkischen Roth 40,4 Grad Celsius gemessen. Das ist der höchste Wert in Deutschland seit Beginn der Messungen im Jahr 1730. Ein privater Wetterdienst hatte zuvor sogar 40,8 Grad gemeldet - die Messung entspricht aber nicht internationalen Normen.

Weniger amüsiert nahmen die Deutschen am Wochenende Meldungen über mögliche Auswirkungen der Hitzewelle zur Kenntnis: Die großen Energieversorger in Deutschland können vorübergehende lokale Stromabschaltungen in den kommenden Tagen nicht mehr ausschließen. Es mangelt mittlerweile an Kühlwasser für Kernkraft- und Wind für Windkraftwerke. Überdies hat Frankreich - aus nachvollziehbaren hitzebedingten Gründen - die Stromlieferungen nach Deutschland eingestellt.

Man setze, erklärte ein Sprecher des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), alles daran, die Versorgung aufrechtzuhalten. Im Gegensatz zu Italien - dort ist es bereits zu Engpässen gekommen - verzeichne man in Deutschland derzeit keinen ungewöhnlichen Strom-Mehrverbrauch. Die Hitze in ganz Europa bewirke aber verstärkte Nachfrage, Produktionsausfälle im europäischen Verbund hätten streckenweise stark steigende Preisen an der Strombörse in Deutschland zur Folge gehabt.

Waldbrände

Währenddessen toben in Teilen Europas weiter zahlreiche Waldbrände. In Portugal kämpft die Feuerwehr immer noch gegen eine Serie verheerender Brände. Bei den seit zwei Wochen anhaltenden Feuersbrünsten wurden bisher 15 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Erstmals ist nun auch die Ferienregion Algarve betroffen. Auch in Italien, Frankreich, auf der Ferieninsel Mallorca und in Kroatien lodern Flammen.

In Frankreich haben die Feuerwehren vor allem in den Südalpen alle Hände voll zu tun. Am Samstag brachen unter anderem bei Nizza, Menton, Grasse und Antibes neue Feuer aus. Insgesamt 1000 Feuerwehrleute waren im Département Alpes-Maritimes zum Löschen im Einsatz. In Luceram halfen auch zwei russische Löschhelikopter.

Die Feuerwehr in Italien ist bei mehr als 20 Wald- und Buschbränden im Einsatz. Erneut gab es Feuer an der ligurischen Küste, in der Toskana sowie in der Gegend um Neapel und Rom.

Auf Mallorca verbrannten mehr als 100 Hektar ökologisch wertvolle Pinienwälder, im rumänischen Donaudelta sind schon mehr als 900 Hektar Schilf und Riedgras den Flammen zum Opfer gefallen. Zahlreiche Brände entlang der Adriaküste in Kroatien und Montenegro haben die Löschmannschaften mittlerweile hingegen weit gehend unter Kontrolle gebracht.

Auch die Waldbrände in der kanadischen Provinz British-Columbia werden zunehmend besser kontrolliert: Mehrere Tausend in Sicherheit gebrachte Anwohner aus der Umgebung der Stadt Kamloops durften nach Medienberichten vom Samstag in ihre Häuser zurückkehren. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2003)

In Deutschland können die Energieversorger Stromabschaltungen nicht mehr ausschließen. In Osteuropa, am Mittelmeer und in Portugal kämpfen die Feuerwehren weiterhin gegen Wald- und Buschbrände. Bis zur Mitte der Woche ist keine Abschwächung der Hitzeperiode in Sicht.
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    Ein Elefant bekommt eine kalte Dusche im Münchner Zoo

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