Berlusconi steckt im Umfragetief

12. August 2003, 09:57
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Derzeit Mehrheit für Italiens Opposition

Silvio Berlusconi steckt im Umfragetief. Eine am Sonntag veröffentlichte Meinungsumfrage im Auftrag des Corriere della Sera zeigt die wachsende Unzufriedenheit der Italiener mit ihrer Regierung. Deren Leistungen werden von 52 Prozent der Bürger negativ bewertet. 25 Prozent stellen ihr ein gutes Zeugnis aus, 22 Prozent blieben unentschlossen.

Drei Meinungsforschungsinstitute ließen die Befragten die Leistung der Regierung auf vierzehn Sachgebieten bewerten. Die schlechtesten Noten gab es mit 63 Prozent für die Steuerpolitik. Berlusconis Initiativen auf dem Gebiet der Justiz, wo der Regierungschef sich mit maßgeschneiderten Gesetzen vor rechtlicher Verfolgung schützte, werden von 61 Prozent missbilligt.

Am besten schneidet die Regierung in der Außenpolitik ab, die "nur" von 52 Prozent negativ bewertet wird. Die Umfrage zeigt, dass vor allem die Wähler der Nationalen Allianz und der Lega Nord über ihre Parteien enttäuscht sind. Während die Zustimmung bei den Wählern von Forza Italia um neun Prozent gesunken ist, muss die Nationale Allianz 19 und die Lega 21 Prozent Einbußen hinnehmen. Offenbar hat die Lega Nord die Bedeutung des ungelösten Interessenkonflikts zwischen Medienzar und Regierungschef unterschätzt, der von 72 Prozent ihrer Wähler negativ beurteilt wird.

Die Wahlversprechen

Dagegen sind die Anhänger der Allianz vor allem mit der Einwanderungspolitik (54) und mit der Steuerpolitik (51) unzufrieden. Auch die Forza-Italia-Wähler stellen der Regierung hier mit 49 und 48 Prozent die schlechtesten Noten aus. Italiens bekanntester Meinungsforscher Renato Mannheimer führt die schlechten Umfragewerte vor allem auf die "mangelnde Einhaltung der Wahlversprechen" zurück: "Würde heute gewählt, hätte das Ulivo-Bündnis eine Mehrheit." (DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2003)

Gerhard Mumelter aus Rom
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