USA: Fälschungsvorwurf gegen Bush

12. August 2003, 20:20
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Kongressausschuss: Regierung manipuliert aus politischem und ideologischem Interesse Forschungsergebnisse

Washington/Wien - Die Regierung von US-Präsident George W. Bush soll aus politischem und ideologischem Interesse wissenschaftliche Forschungsergebnisse manipulieren. Das behauptet ein Bericht eines von Demokraten dominierten parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der in der vergangenen Woche in Washington publiziert wurde. Der Bericht zählt über 20 Bereiche auf, in denen die US-Regierung "die Wissenschaft unterwandert hat", darunter den Treibhauseffekt, die Prävention von HIV und die gesundheitlichen Folgen von Abtreibungen.

Laut dem Bericht, der von dem Abgeordneten Henry Waxman präsentiert wurde, beeinflusse die Regierung Expertenausschüsse, indem sie unterqualifizierte, wirtschaftsnahe Berater einsetze. Sie veröffentliche verzerrte Informationen und sabotiere Forschungsprojekte, die die Ziele der Regierung oder ihr naher Industriezweige bedrohen könnten. So sei etwa auf Druck des Erdölkonzerns ExxonMobil dem Vorsitzenden des eines Ausschusses, der auf die Gefahren des Klimawandels hingewiesen habe, die Unterstützung zu seiner Wiederwahl verweigert worden. Weiters habe Innenministerin Gale Norton Berichte aus ihrem eigenen Ministerium verfälscht und ignoriert, um die Ölsuche in einem Naturschutzgebiet zu rechtfertigen.

Abstinenz als Schutz

Die Regierung erkennt nur die sexuelle Abstinenz als effektiven Schutz vor Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten an. Diese Politik würde mit pseudowissenschaftlichen Methoden gerechtfertigt. Studien, die zeigen, dass Aufklärungsunterricht nicht zu erhöhter sexueller Aktivität führt, würden systematisch ignoriert. Öffentliche Gesundheitsberatungsstellen sollen außerdem fälschlicherweise behauptet haben, dass Abtreibungen das Brustkrebsrisiko erhöhen.

Der Bericht stützt sich auf heftige Kritik an der Regierung seitens renommierter Wissenschaftsjournale wie Nature und Science. Präsidentensprecher Scott McClellan lehnte den Bericht als "politisch motiviert" ab und betonte, die Regierung ziehe ausschließlich "die besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse" in Betracht. (at/DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2003)

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    Bildungspolitik auf US-amerikanisch: Präsident Bush spricht an einer Schule in Arkansas über sein "No Child left behind"-Programm

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