Ansar al Islam-Extremisten kehren angeblich in den Irak zurück

11. August 2003, 19:22
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Radikale Kurdengruppe soll Kontakte zu Al Kaida haben

Berlin - Bereits während der ersten Kriegstage im März hatten die USA neben Stellungen der irakischen Armee noch einen zweiten Gegner im Visier: die radikalislamische Kurdengruppe Ansar al Islam (Partisanen des Islam). Für Washington waren die Ansar im Nordosten des Irak das Bindeglied zwischen dem Al-Kaida-Netzwerk von Osama bin Laden und dem irakischen Staatschef Saddam Hussein und dienten so auch zur Rechtfertigung des Krieges. Nach dem Ende der Hauptkampfhandungen im Irak schien die Gruppe zerschlagen, doch nun sollen laut US-Zivilverwalter Paul Bremer hunderte Extremisten wieder aus dem benachbarten Iran in die irakische Kurdenregion zurückgekehrt sein.

Eine Verbindung der sunnitischen Extremistengruppe zu Al Kaida wurde vor allem von der Kurdenpartei Patriotische Union Kurdistans (PUK) unterstellt, mit der sich die Ansar in den vergangenen Jahren blutige Gefechte lieferten. Zahlreiche arabische Kämpfer in den Reihen der schätzungsweise bis zu tausend kurdischen Ansar sollen eine militärische Ausbildung in Afghanistan erhalten haben. Der mutmaßliche Ansar-Führer Mullah Krekar wies eine Verbindung zu El Kaida beharrlich zurück.

Verbindungen zum Iran

Eine Zusammenarbeit der radikalen Gruppe mit der nicht religiös orientierten irakischen Staatsführung unter Saddam Hussein wurde von Experten immer wieder angezweifelt. Auch der Verdacht, die Gruppierung unterhalte eine Fabrik für chemische Waffen, konnte nicht erhärtet werden. Als wahrscheinlich gilt, dass die Ansar Verbindungen zur iranischen Regierung haben.

Nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die im September 2002 die Lage im irakischen Kurdengebiet untersuchte, wollten die Ansar al Islam in den Dörfern Biyara und Tawela in der Grenzregion zu Iran eine Gottesherrschaft nach dem Vorbild der Taliban errichten. Die Ansar entstanden demnach als Zusammenschluss mehrerer radikalislamischer Gruppierungen im September 2001 zunächst unter den Namen Dschund al Islam (Soldaten des Islam). Mit Gewalt und Einschüchterung gingen ihre Anhänger gegen alles vor, was in ihren Augen unislamisch war. Frauen mussten sich verhüllen, Männer mussten Bärte tragen, und Produkte, auf deren Verpackungen Bilder von Frauen waren, mussten aus den Geschäften verschwinden.

Bremer fürchtet mit der Rückkehr der Ansar "groß angelegte Terroranschläge im Irak". Er erwähnte die Organisation auch im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die jordanische Botschaft am Donnerstag in Bagdad, bei dem nach jüngsten Angaben 14 Menschen starben. Auf einer angeblich von den Ansar al Islam betriebenen Website wird der US-geführte Krieg gegen den Irak als Kreuzzug verteufelt und zum Kampf gegen die Besatzungstruppen aufgerufen. (APA)

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