Moses Blah - der undurchsichtige Vasall

13. August 2003, 13:13
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Blah soll Nachfolger von Charles Taylor werden - Werdegang weckt keine große Hoffnung auf Veränderungen

Monrovia - Scheinbar unverrückbar stand Moses Blah stets im Schatten des liberianischen Präsidenten Charles Taylor. Jetzt soll der Vizepräsident selbst zum mächtigsten Mann des vom Bürgerkrieg zerrütteten westafrikanischen Staates werden: Für Montagmittag hat Taylor die Übergabe seines Amtes an seinen Stellvertreter angekündigt. Endlich darf der treue Gefolgsmann also selbst die Fäden ziehen. Dass er das Land in bessere Zeiten führt, daran zweifeln jedoch nicht nur die Rebellen der Vereinigten Liberianer für Versöhnung und Demokratie (LURD). Denn "Taylors General" hat Blut an den Händen: Er kämpfte im liberianischen Bürgerkrieg der 90er Jahre mit.

In die Politik gelangte der heute 56-jährige wie Taylor auch über ein libysches Militärtrainingslager, wo er sich von 1985 bis 1989 zum Kämpfer ausbilden ließ. Das nordafrikanische Land spielt eine bedeutende Rolle in der liberianischen Politik, denn Libyens Staatschef Muammar Gaddafi ist ein treuer Unterstützer Taylors. 1989 kehrten Blah und Taylor als Mitglieder einer 200-köpfigen Guerillatruppe nach Liberia zurück, aus der später Taylors National Patriotic Front of Liberia (NPFL) hervorging. Der politische Dialog war ihre Sache nicht. Sie zettelten vielmehr einen Bürgerkrieg an, der acht Jahre andauerte und in dieser Zeit 250.000 Menschen das Leben kostete.

Putschversuch

Als Taylor nach dem Kriegsende 1997 zum Präsidenten gewählt wurde, bekam Blah keinen Posten in der Regierung, sondern wurde als Botschafter nach Libyen geschickt. Mit seinen guten Sprachkenntnissen bewegte sich er sicher auf internationalem Parkett: Neben Englisch und seiner Muttersprache Dan beherrscht er fließend Arabisch und Französisch. Im Jahr 2000 holte Taylor Blah nach Monrovia zurück und macht ihn zu seinem Stellvertreter - in Liberia ein rein repräsentatives Amt. Als Vizepräsident stand Blah nur ein Leibwächter zu. Sein Auto musste er gar selbst chauffieren.

Womöglich schielte Blah deshalb schon länger neidvoll auf den Präsidentenpalast. Am 5. Juni verkündete Taylor jedenfalls, er sei nur knapp einem Putschversuch Blahs entkommen und habe dessen Rücktritt akzeptiert. Der in Untersuchungshaft genommene Blah sollte höchstselbst dazu Stellung nehmen - doch er schweigt bis heute zu dem Vorwurf. Acht Tage später kündigte Taylors Rundfunksender Kiss FM an, er habe den Vizepräsidenten nach Gesprächen mit Vertretern aus Blahs Herkunftsregion in sein Amt zurückberufen. Ob der undurchsichtige Vasall tatsächlich einen Putschversuch startete, ist bis heute ein Rätsel.

Mit Taylors Rücktritt kommt der frühere Arbeiter aus der Ernährungsindustrie und Vater von 14 Kindern nun auch ohne einen Staatstreich aus. Die LURD-Rebellen wollen Blah aber laut ihrem Vizechef Sekou Fofana nicht als neuen Staatschef akzeptieren, und so ist ein Ende der Kämpfe auch nach der Amtsübergabe nicht abzusehen. (APA)

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    Moses Blah (links) mit Charles Taylor

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