Neue Welle der Gewalt

13. August 2003, 08:49
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Taliban wollen Angriffe im Norden des Landes verstärken

Kabul - Eine neue Welle der Gewalt hat am Wochenende mehrere Provinzen Afghanistans erschüttert. Rund 40 mutmaßliche Taliban-Kämpfer hätten in der südafghanischen Provinz Helmand sechs afghanische Soldaten und einen einheimischen Mitarbeiter einer US-Hilfsorganisation getötet, sagte ein Sprecher der Vereinten Nationen (UNO) am Sonntag in Kabul. Bei mehreren weiteren Angriffen wurden Menschen verletzt. Im Norden Afghanistans wollen Kämpfer der gestürzten radikal-islamischen Taliban-Regierung einem Zeitungsbericht zufolge ihre Angriffe auf die US-geführten Truppen und deren afghanische Verbündete verstärken.

Die pakistanische Tageszeitung "The News" zitierte am Sonntag einen Taliban-Sprecher mit den Worten, Taliban-Kämpfer hätten in den vergangenen Wochen in einigen nördlichen Provinzen von den USA unterstützte afghanische Regierungstruppen angegriffen. Diese Angriffe sollten verstärkt und auf alle nördlichen Provinzen ausgedehnt werden. In der Provinz Farjab seien ein neuer Militärkommandeur und zwei Stellvertreter ernannt worden, um Truppen des Generals Abdul Raschid Dostum anzugreifen. "Alle drei sind sind in Farjab angekommen, um den Widerstand gegen Dostum und andere pro-amerikanische Kommandanten zu organisieren", sagte der Taliban-Sprecher.

Angriffsserie

Bei der jüngsten Angriffsserie in den Provinzen wurden fünf Polizisten verletzt, als sie von mutmaßlichen Kämpfern der radikalislamischen Taliban mit Granaten und Maschinengewehren beschossen wurden. Zwei Fahrzeuge von Minenräumungsorganisationen wurden unabhängig voneinander mit Raketen und Maschinengewehren angegriffen, verletzt wurde niemand. Bei einem weiteren Vorfall fesselten und verprügelten unbekannte Täter zehn afghanische Mitarbeiter einer Hilfsorganisation. Sie steckten außerdem deren Fahrzeuge in Brand.

Am Samstag beschossen Rebellen einen US-Stützpunkt im Süden Afghanistans mit sechs Raketen, wie ein Armeesprecher mitteilte. Bei dem Angriff nahe der Grenze zu Pakistan wurde nach Angaben von Oberst Rodney Davis niemand verletzt. In der Provinz Parwan nordwestlich von Kabul zerstörten Sprengstoffexperten ein Waffenlager mit elf Raketen sowie 50 Mörsergranaten und Artilleriewaffen, wie Davis auf dem Stützpunkt Bagram mitteilte.

Nach den Vorfällen stellten die Vereinten Nationen ihre Arbeit in Teilen von zwei betroffenen Provinzen ein. Zu der außergewöhnlich hohen Zahl von Angriffen auf Soldaten, Polizisten und Hilfsorganisationen kam es in den vergangenen Tagen, sie wurden aber erst jetzt bekannt. UNO-Sprecher David Singh erklärte am Sonntag die beiden Überfälle hätten isch am Dienstag im Bezirk Maywand in der Provinz Kandahar ereignet. Auch in einigen anderen Provinzen sind UNO-Mitarbeiter angewiesen, aus Sicherheitsgründen auf Überlandreisen zu verzichten. (APA/dpa/AP/Reuters)

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