25 Jahre Frauenhäuser in Österreich...

12. August 2003, 11:24
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...und die Situation heute

Das erste Frauenhaus in Österreich wurde 1978 in Wien von einer Gruppe engagierter Sozialarbeiterinnen gegründet. Heute existieren 25 Frauenhäuser und fünf ambulante Frauenberatungsstellen, die misshandelten Frauen und ihren Kindern Schutz und Hilfe bieten. In den Frauenhäusern können derzeit etwa 500 bis 539 Frauen mit ihren Kindern Unterkunft finden. Die Frauenhäuser in Österreich werden überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert. Die Finanzierung ist Sache der Länder.

In den autonomen österreichischen Frauenhäusern fanden 2002 1238 Frauen und 1247 Kinder Schutz und Unterkunft, das waren 69 Frauen und 71 Kinder mehr als 2001. 50 Prozent waren österreichische Staatsbürgerinnen, die anderen Frauen kamen aus den verschiedensten Ländern, vor allem aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien und anderen osteuropäischen Staaten.

Krisenaufenthalt

Mehr als ein Fünftel (22,57 Prozent) nutzten 2002 das Frauenhaus für einen Krisenaufenthalt von ein bis drei Tagen nach einer Misshandlung. Über 30 Prozent blieben zwischen vier Tagen und einem Monat, etwa 35 Prozent blieben ein bis sechs Monate, mehr als acht Prozent auch länger. 72,15 Prozent flüchteten 2002 einmal, 12,61 Prozent zweimal und 5,91 Prozent öfter vor häuslicher Gewalt ins Frauenhaus. Zusätzlich zur Beratung und Begleitung von Frauenhausbewohnerinnen gab es dort im Vorjahr 13.914 Beratungen von Frauen, die nicht im Frauenhaus wohnten, die ambulante und telefonische Beratung war im Vergleich zu 2002 gestiegen.

Tatort Familie

Laut Informationsstelle gegen Gewalt kann die Ehe immer noch als "der gefährlichste Ort für Frauen" bezeichnet werden, denn 67,04 Prozent der 2002 in den autonomen Frauenhäusern aufgenommenen Frauen waren verheiratet. 20,68 Prozent waren ledig, 10,18 Prozent geschieden und knapp ein Prozent verwitwet.

Rund 72 Prozent der Frauen, die sich 2002 ans Frauenhaus wandten, waren zwischen 20 und 40 Jahre alt. Jüngere Frauen sind nicht häufiger Opfer von Gewalt als ältere Frauen, der Schritt aus einer Gewaltbeziehung ist für die Älteren jedoch um vieles schwieriger - diese Gruppe der Frauen machte etwa ein Fünftel aus. 24 Frauen waren sogar über 61 Jahre alt.
Beinahe die Hälfte der Kinder der Frauenhausbewohnerinnen sind Kleinkinder, für Schulkinder ist der Umzug ins Frauenhaus oft auch mit einem Schulwechsel verbunden. Die Kinder werden wenn möglich durch speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen betreut - aus Personalmangel kann diese Leistung jedoch nicht immer angeboten werden.

Ämter als Infoquelle

38,29 Prozent der 2002 ins Frauenhaus gekommenen Frauen hatten durch verschiedenste soziale oder medizinische Institutionen und Ämter vom Frauenhaus erfahren, 15,51 Prozent durch Bekannte oder Verwandte, 10,90 Prozent durch Polizei oder Gendarmerie. 12,44 Prozent kamen nicht zum ersten Mal.

64,87 Prozent stammten aus der Stadt, Gemeinde oder dem Bezirk in dem das Frauenhaus liegt. 26,20 Prozent aus dem jeweiligen Bundesland, 6,82 Prozent gingen dafür in ein anders Bundesland. Laut Verein der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser bedeutet dies jedoch nicht, dass in urbanen Gebieten unbedingt mehr Gewalt vorherrscht als im ländlichen Raum: Einerseits gibt es Frauenhauseinrichtungen vor allem in den Städten und Landeshauptstädten, sodass die betroffenen Frauen dorthin in die Städte flüchten müssen. Andererseits kommen die Klientinnen vor allem aus Wien, das vier große Frauenhäuser unterhält, während im ländlichen Bereich noch ein Mangel an Frauenhäusern herrscht.

Platzmangel

705 bedrohte und misshandelte Frauen mussten 2002 wegen akuter Überfüllung in einzelnen Frauenhäusern abgewiesen werden. Laut Empfehlung des Europäischen Parlaments sollte ein Wohnplatz für Frauen pro 10.000 EinwohnerInnen zur Verfügung stehen. Wien ist derzeit das einzige Bundesland, das diese Empfehlung einhalten kann.

Einkommensschwach

Der Großteil der Frauenhausbewohnerinnen ist ausbildungsmäßig niedrig qualifiziert und daher im Berufs- und Einkommensbereich benachteiligt. Fast jede dritte Frau, die sich 2002 ans Frauenhaus gewandt hat, verfügte über kein eigenes Einkommen. Für diese Frauen ist das Frauenhaus in der Trennungssituation oft der einzig mögliche und finanzielle leistbare Zufluchtsort. 62 Prozent der Frauenhausklientinnen haben die Pflichtschule absolviert und einen Lehrabschluss, immerhin 23 Prozent verfügten jedoch über eine mittlere oder höhere Schulbildung - Gewalt zieht sich also durch alle Schichten. Über 61 Prozent der Frauen waren 2002 bei der Aufnahme ins Frauenhaus nicht erwerbstätig, was auf teilweise noch immer vorherrschende patriarchale Lebensmuster und den hohen Prozentsatz an Migrantinnen zurückzuführen ist.

Ehemann als Täter

Bei nahezu 68 Prozent misshandelte der Ehemann oder geschiedene Mann die betroffene Frau, bei mehr als einem Fünftel war der Lebensgefährte der Gewalttäter. Über sechs Prozent flüchteten vor (Schwieger-) Vater oder -Mutter, rund vier Prozent wurden von anderen Bekannten misshandelt oder bedroht. Die Tatsache, dass 42 Prozent dr Misshandler nicht erwerbstätig waren, legt nahe, dass eine angespannte Finanzlage auch die Gewaltbereitschaft der Männer fördern kann.

Nach dem Frauenhaus

Rund 26 Prozent der Frauen kehren nach dem Frauenhausaufenthalt nach eignen Angaben zum Täter zurück - das bedeutet aber nicht immer das Fortsetzen von Misshandlungen. Mehr als ein Drittel entschied sich für ein eigenes Leben, über 20 Prozent kamen nach dem Frauenhaus vorübergehend bei Verwandten und Bekannte oder in anderen sozialen Einrichtungen unter. 324 Frauen haben im Frauenhaus eine Anzeige gegen den Misshandler erstattet, das waren um 72 mehr als 2001. 180 reichten die Scheidung ein, 89 Frauen wurden in dieser Zeit geschieden. 58 Frauen machten vom Wegweisungsrecht Gebrauch und reichten ein, 34 Frauen haben die einstweilige Verfügung zur Ausweisung des Misshandlers aus der Wohnung erwirkt.
(red/Statistik des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser)

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