Zur Nachlese: Erfolg oder "schiefe Optik"

12. August 2003, 15:17
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Die ÖIAG hat 1,3 Millionen VA-Tech-Aktien an der Wiener Börse breit gestreut - Die Transaktion lief so glatt ab, dass manche munkeln, der Verkauf sei fixiert gewesen

Wien - Ein an sich ruhiger Tag an der Wiener Börse endete am Freitagnachmittag mit einem Paukenschlag: Punkt 16.30 Uhr verkaufte die Deutsche Bank neun Prozent, oder 1,3 Millionen Aktien, an der VA Technologie aus dem Bestand der ÖIAG für einen Preis von 24,60 Euro. Die angebotenen Aktien waren sofort bei in- und ausländischen Versicherungen, Pensionsfonds und Fondsgesellschaften platziert, der Kurs der Aktie bewegte sich dabei nur wenig. "Ein toller Erfolg", schwärmte ÖIAG-Sprecherin Viktoria Kickinger, deren Arbeitgeber an diesem Tag 32 Mio. Euro an Privatisierungserlösen einstreifte.

Doch die Art der Transaktion rief bei einigen Marktteilnehmern Verwunderung hervor. Profil berichtete am Sonntag von Gerüchten, wonach die Deutsche Bank die Aktien selbst erworben hatte, um sie später an ihre Kunden weiterreichen zu können. Dies wurde von der ÖIAG dementiert. "Alle Aktien wurden über die Wiener Börse verkauf und gingen nicht an die Deutsche Bank. Wer interessiert war, konnte elektronisch seine Orders abgeben", sagte Kickinger. Alle potenziellen Kunden seien dabei gleich behandelt worden.

Aktienpakete bereits fix zugesagt

Beobachter schließen jedoch nicht aus, dass die Aktienpakete bereits im Vorfeld an die verschiedenen Abnehmer fix zugesagt worden seien. Investoren, die nicht zum Kundenkreis der Deutschen Bank gehörten, hätten dann gar keine Chance gehabt, zum Zug zu kommen, hieß es in Anlegerkreisen.

Angesichts der geringen Liquidität der VA-Tech-Aktie wäre eine solche Vorgangsweise sogar verständlich. In den Tagen zuvor wurden jeweils nur zwischen 16.000 und 17.000 Stück umgesetzt, der unvorbereitete Verkauf eines 1,3-Millionen-Aktienpaketes hätte den Kurs zum Absturz gebracht.

Der Haken dabei aber ist, dass "pre-arranged trades" zu einem vorbestimmten Preis laut § 48 des österreichischen Börsengesetzes verboten sind. "Wer den Kurs oder Preisbildung durch Abschluss eines Scheingeschäftes zu beeinflussen versucht", macht sich der Preismanipulation schuldig. Sollte der Verkauf bereits im Vorfeld abgewickelt und nur an der Börse "durchgeschossen" worden sein, dann hätten ÖIAG und Deutsche Bank gegen das Gesetz verstoßen. Deshalb wird erwartet, dass die Finanzmarktaufsicht (FMA) die Vorgänge am Freitag genauer unter die Lupe nimmt. Selbst wenn keine Manipulationsabsicht festgestellt werden kann, bliebe eine schiefe Optik zurück.

Rauf und runter

An diesem Tag dümpelte der Kurs stundenlang rund um den Eröffnungskurs von 25 Euro. Um 16.30 Uhr fiel er plötzlich auf 24,60 Euro, dem gerüchteweise zuvor ausgemachten Verkaufspreis. Bei riesigen Umsätzen stieg er in den folgenden 90 Minuten um 2,8 Prozent auf einen Schlusskurs von 25,30 Euro.

Theoretisch wäre es möglich gewesen, die Privatisierung als "Private Placement" abseits der Wiener Börse abzuwickeln, doch wäre die ÖIAG damit möglicherweise in Widerspruch zu den EU-Vergaberegeln bei Privatisierungen geraten. Deshalb hat die Verstaatlichtenholding der Deutschen Bank dezidiert den Auftrag gegeben, die Wiener Börse als Verkaufsplattform zu verwenden. Diese habe dabei ihre Bewährungsprobe voll bestanden, so Kickinger. Und die ÖIAG wisse nun genau, wer die Aktien erworben hätte.

An der Börse werden große Aktienpakete sonst in kleinen Tranchen über mehrere Tage und Wochen verkauft. Eine solche international durchaus übliche Methode vermeidet jeden Anschein der Preismanipulation, doch lässt sich dabei der Abnehmerkreis nicht so gut steuern.

Der Verkauf der neun Prozent lässt den ÖIAG-Anteil auf 15 Prozent schrumpfen und macht die Investorengruppe rund um den Industriellen Mirko Kovats mit ihren 19 Prozent zum größten Aktionär. Es wird nun erwartet, dass Kovats umso eindringlicher einen Sitz im VA-Tech-Aufsichtsrat und operativen Einfluss auf die krisengeschüttelte Technologiegruppe fordern wird. "Ich will in den Aufsichtsrat, das kann auch mehr als ein Aufsichtsratssitz sein, und mitwirken", sagte Kovats Anfang August dem Standard. (Erok Frey, Der Standard, Printausgabe, 11.08.20039

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