Für Chorherr ist Schwarz-Grün in Zukunft weiter denkbar

13. August 2003, 14:42
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Klubchef der Wiener Grünen empfiehlt nach nächsten Nationalratswahlen Gespräche mit SPÖ und ÖVP

Wien - Für den Klubobmann der Wiener Grünen, Christoph Chorherr, ist Schwarz-Grün auf Bundesebene noch immer eine Option. Nach der nächsten Nationalratswahl solle erneut ausgelotet werden, ob sich eine Regierungsbeteiligung der Grünen lohne, "sei es mit der SPÖ oder der ÖVP", sagte er im Gespräch mit der APA. Die Freiheitlichen schloss Chorherr als Partner aus. Nach Ansicht des Wiener Grünen-Chefs wird sich die Frage schon demnächst stellen - er rechnet mit baldigen Neuwahlen.

Voreilige Festlegungen auf einen Regierungspartner sind laut Chorherr wenig sinnvoll: "Ich glaube, die Grünen sind gut beraten, vor dem nächsten Wahlkampf keine Koalitionsaussage zu treffen, sondern für Grüne Ziele in einen Wahlkampf zu gehen." Auch mit der ÖVP könnten davon einige umgesetzt werden.

"Ich sage das gerade angesichts meiner Kenntnis, wie etliche ausverhandelte Kapitel mit der ÖVP ausgesehen haben, die zum Beispiel in der Integrationspolitik um 180 Grad anders waren, als sie es jetzt mit der FPÖ macht", so Chorherr über die seiner Ansicht nach "zutiefst machtopportunistische Partei". Die ÖVP sei durchaus in einigen Bereichen bereit gewesen, grüne Inhalte aufzunehmen. Doch das sei nun "Geschichte".

Darüber, dass es Anfang des Jahres bei den Wiener Grünen eine heftige Debatte über Verhandlungen mit der Volkspartei gegeben hat, zeigt sich Chorherr gelassen. Von einer Spaltung in "Fundis" und "Realos" oder gar einer Lähmung der Partei will er nichts wissen: "Die Wiener Grünen wollen gestalten, da haben wir Wesentliches weitergebracht. Ich sehe uns als sehr agil. In allen größeren Parteien gibt es unterschiedliche Strömungen. Die Grünen sind eine vielfältige, bunte Partei, auch ihre Wählerschaft ist so."

"Die Frage ist, wie trägt man Auseinandersetzungen aus. In Österreich heißt es eh oft: 'Gnädige Frau, ich bin eh ihrer Meinung'. Man soll auch einmal nicht einer Meinung sein können und auf eine gewisse kultivierte Art politische Kontroversen austragen. Wenn Schwarz-Grün keine Kontroverse gewesen wäre, dann wäre mir bang um die Grünen gewesen", betonte Chorherr.

Der Arbeit der VP-FP-Bundesregierung kann er wenig abgewinnen: "Ich hoffe für Österreich, dass dieses stagnierende Trauerspiel bald beendet ist bzw. sich bald selbst beendet. Es gibt ein derzeit ein einziges Thema in dem Land, das heißt Sparen. Das ist da und dort natürlich notwendig, aber was total fehlt ist Gestaltung, etwa im Umweltbereich oder in der Bildung."(APA)

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