Hitze macht Tieren zu schaffen

12. August 2003, 14:43
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Vogel leiden besonders - Schmetterlingsarten aus Südosteueropa mittlerweise in Deutschland gesichtet

Madrid - Wie den Menschen macht die anhaltende Hitzewelle in Europa auch der Tierwelt zu schaffen. Während sich im Madrider Zoo die Bären ähnlich wie die Menschen mit Eisschlecken über den heißen Tag retten, kommen andere Tiere nicht so leicht davon. Von der Bretagne bis nach Bosnien sind Hühner bereits zu Tausenden Opfer der Dauerhitze geworden. Experten zufolge leiden unter den extremen Wetterbedingungen vor allem die Raubvögel und die Störche, die ihre Nester gerne in exponierter Höhe bauen und deren Junge der Sonnenstrahlung voll ausgesetzt sind.

Einige Tierarten finden Gefallen an der Hitze

Einige Tierarten in Deutschland finden aber offenbar auch zunehmend Gefallen an dem ausgiebigen Sonnenbad. So brüten Eidechsen, Nachtigallen und Kuckucke nun bereits zum wiederholten Mal, anders als in den Vorjahren. Sogar einige Schmetterlingsarten, die sonst nur in Südeuropa zu finden sind, wurden mittlerweile in Deutschland gesichtet.

Vögel besonders betroffen

"Vögel sind besonders von der Hitze betroffen, weil sie so klein sind, aber eine große Körper-Oberfläche haben und über eine höhere Körpertemperatur verfügen, als die Menschen", erklärt Juan Carlos Atienza, Biologe bei der spanischen Ornithologischen Gesellschaft. Die Jungen der Raubvögel und Störche in den Nestern litten zum einen unter der starken Sonneneinstrahlung, zum anderen bekämen sie auch weniger Futter und Wasser. "Wenn es sehr heiß ist, fliegen Vögel tagsüber weniger aus, und dadurch verringern sich die Fütterungsintervalle", fügte er hinzu.

Nach Einschätzung der deutschen Tierschutz-Expertin Johanna Theunissen bringen die heißen Tage aber auch Vorteile für bestimmte Lebewesen mit sich, so etwa für Schmetterlinge. "Einige Schmetterlingsarten, die sich normalerweise nur einmal pro Sommer vermehren, haben dieses Jahr schon drei Generationen produziert", sagt sie.

Bauern schwer betroffen

Schwer getroffen von den Hitzefolgen sind indes unter anderem die französischen Bauern in der Bretagne, wo bei Ille-et-Vilaine in der vergangenen Wocheschon mindestens 25.000 Hühner den Hitzetod starben. Ein bosnischer Bauer, bei dem an einem einzigen Tag 1.600 Küken elend eingingen, sagte: "Ich habe gerade die Lüftung umgestellt, so dass Luft hereinkommt." Mittlerweile kühlt er das Dach seines Stalls mit Wasser, um seine noch verbliebenen Küken zu retten.

Fischzüchter machen sich große Sorgen

Auch die Fischzüchter machen sich europaweit große Sorgen. Wenn der Sauerstoffgehalt in ihren Zuchtteichen unter der Hitze weiter sinkt, könnte es zu einem dramatischen Fischsterben kommen. Im Rhein sind nach Angaben der Behörden bereits 30.000 Aale verendet, und die Donau in Rumänien wies den niedrigsten Wasserstand seit über einem Jahrhundert auf.

Auch das Meerwasser steigt über normale Werte. Zwischen Castellon de la Plana südlich von Barcelona und den Balearen sei ein Oberflächen-Wasserwert von 31 Grad gemessen worden, teilte Jose Antonio Fernandez aus dem Spanischen Meteorologischen Institut mit. Das habe er noch nie erlebt. Nach Auskunft von Fischerei-Experten ist die Oberflächen-Erwärmung für die Wildfischbestände im Meer aber zunächst weiter nicht gefährlich. "Die Fische schwimmen einfach tiefer, und die Schwimmalgen tun das gleiche", so die spanische Expertin Marta Estrada.(APA/Reuters)

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    Der Orangutan im Berliner Zoo würde sich wohl am liebsten vor der Hitze verstecken.

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