Hafen von Monrovia weiterhin besetzt

12. August 2003, 11:45
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Rebellen machen Rückzug von Präsident Taylors Rücktritt abhängig - Nahrungsmittellager geplündert - Weiterhin Kämpfe bei Hafenstadt Buchanan

Monrovia - Rebellen halten weiter den Hafen der liberianischen Hauptstadt Monrovia besetzt, so dass dringend benötigte Lebensmittel und Brennstoffe nicht in die vom Bürgerkrieg gezeichnete Küstenstadt gelangen können. LURD-Anführer Sekou Fofana schloss eine Räumung des Hafens vor der für Montag angekündigten Ausreise von Präsident Charles Taylor aus. Hilfskräften werde der Zugang allerdings nicht verwehrt. Aus Sicherheitsgründen bestanden die ECOMIL und die USA bislang darauf, den Hafen unter Kontrolle ausländischer Truppen zu stellen, um Hilfslieferungen in großem Maßstab zu ermöglichen.

Nahrungsmittellager geplündert

Plünderer haben die Nahrungsmittellager internationaler Hilfsorganisationen am Hafen der von Hunger bedrohten liberianischen Hauptstadt Monrovia leer geräumt. Die Lagerhäuser mit Lieferungen der EU, des UN-Welternährungsprogramms (WFP) und anderer Gruppen seien systematisch ausgeplündert worden, berichtete ein AFP-Reporter nach einem Besuch in dem von LURD-Rebellen kontrollierten Hafen am Samstag. Im Hafenbecken trieben Leichen.

US-Militärexperten und Vertreter der westafrikanischen Eingreiftruppe ECOMIL bemühen sich weiter um den Abzug der Rebellen aus dem Hafengebiet. Dort lagern dringend benötigte Hilfsgüter. Hilfsorganisationen konnten in den vergangen Tagen erstmals den von Rebellen kontrollierten Stadtteil aufsuchen. Dort sei vor allem die medizinische Versorgung zusammengebrochen, berichteten sie.

Ein Bild des Schreckens

Der Hafen bot nach zwei Monaten Kämpfen in seiner Umgebung ein Bild des Schreckens. Die drei Toten im Hafenbecken waren nach Aussagen von Rebellen Plünderer, die auf frischer Tat erschossen worden seien. Auf dem Gelände waren Lachen von Speiseöl zu sehen, das die EU aus ihren Beständen gespendet hatte. Reste geplünderter Sojabohnen-, Gries- und Erbsenlieferungen waren in den Lagerhäusern verstreut. Das gesamte Gelände lag brach. Im Hafenbecken lagen Wracks zerstörter Schiffe. Seit Wochen waren keine ausländischen Beobachter mehr an den Anlagen.

Inspektion durch Friedenstruppen

In Begleitung von LURD-Kämpfern inspizierten ECOMIL-Truppen erstmals seit ihrer Ankunft am Montag den Hafen. Auch Mitglieder eines US-Vorausstrupps waren dabei. "Wir wollen sehen, inwieweit hier die Infrastruktur für humanitäre Lieferungen vorhanden ist", sagte der ECOMIL-Stabschef Theopholis Tawiah. ECOMIL-Befehlshaber Festus Okonkwo verschob am Samstag ein geplantes Treffen mit der LURD-Führung ohne Angabe von Gründen. Der für Sonntag geplante Besuch der stellvertretenden UN-Koordinatorin für Nothilfe, Carolyn McAskie, wurde abgesagt. Die Lage sei zu unsicher, sagte ein UN-Beamter in Abidjan.

Der WFP-Leiter für Liberia, Gregory Blamoh, nannte die Präsenz von ECOMIL-Soldaten in dem Hafen entscheidend für die Versorgung der Bevölkerung. Das öffentliche Leben in Monrovia sei wegen der Besetzung durch die Rebellen annähernd zum Erliegen gekommen. In Monrovia seien inzwischen mehr als 250.000 Menschen vom Hunger betroffen. Die Friedenssoldaten könnten etwa dafür sorgen, dass Hilfslieferungen auch bei den Bedürftigen ankommen.

Weiterhin Kämpfe in Buchanan

Ungeachtet des Waffenstillstands in Monrovia lieferte sich die Armee nach eigenen Angaben bei der Hafenstadt Buchanan weitere Kämpfe mit Rebellen. Kämpfer der Rebellengruppe MODEL hätten am Samstag versucht, gewaltsam eine Brücke über den Fluss Benson zu überqueren, sagte Armeegeneral Solomon Moses. Der Rebellenkommandeur und 15 seiner Kämpfer seien bei dem versuchten Vorstoß getötet worden.

Am Freitag war ein Versuch zur Rückeroberung der von MODEL-Rebellen gehaltenen Stadt nach Worten des Generals am Widerstand der Aufständischen gescheitert. Die Stadt liegt knapp hundert Kilometer südwestlich von Monrovia. Die Soldaten der Friedenstruppe ECOMIL sind bislang nur in der Hauptstadt stationiert.

Die humanitäre Lage in Buchanan spitzt sich indessen zu. Menschen dort haben keine Lebensmittel und keine Medikamente", sagte der Bischof von Monrovia, Michael Francis Kpakala, am Sonntag dem britischen Sender BBC. Etwa 8000 Menschen hätten sich auf das Gelände der katholischen Mission geflüchtet.

Der bedrängte Staatschef Taylor hatte mehrfach bekräftigt, am Montag zurücktreten zu wollen. In der nigerianischen Hafenstadt Calabar wurde nach Regierungsangaben aus Lagos bereits mit der Renovierung eines Hauses begonnen, das Präsident Taylor als Exil dienen sollte. In Liberia herrscht seit 14 Jahren Bürgerkrieg. Allein seit Juni sind bei Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen tausende Menschen getötet worden.(APA/Reuters)

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