Hoon tritt vermutlich zurück

15. August 2003, 16:23
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Bauernopfer für Blair - Opposition fordert Entschuldigung des Premiers

London - Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon wird nach Medieninformationen wegen der Kelly-Affäre zurücktreten. Hoon werde sein Amt aufgeben, sobald der Abschlussbericht der unabhängigen Untersuchungskommission zum Selbstmord des britischen Biowaffenexperten David Kelly vorgelegt wird, berichtete der britische "Sunday Express" unter Berufung auf Regierungskreise.

Der Rücktritt des Verteidigungsministers solle den politischen Druck von der Regierung Tony Blair nehmen. "Hoon soll der Sündenbock für die ganze Regierung sein", zitierte die Zeitung einen Regierungsvertreter. "Er wird zum Trocknen aufgehängt in der Hoffnung, dass man Tony Blair mit diesem Rücktritt nochmal vom Haken lässt."

Der frühere UN-Waffeninspektor Kelly war der wichtigste Informant für einen Bericht der Rundfunkanstalt BBC, wonach die britische Regierung mit fragwürdigen Geheimdienstinformationen die Gefahr irakischer Massenvernichtungswaffen aufgebauscht habe. Hoon wird vorgeworfen, dass sein Ministerium Kellys Rolle beim Zustandekommen der BBC-Dokumentation öffentlich gemacht habe. Der Druck habe den Wissenschaftler möglicherweise in den Selbstmord getrieben. Kelly war am 18. Juli nahe seines Wohnortes bei Oxford mit aufgeschnittener Pulsader tot aufgefunden worden.

Opposition fordert von Blair Entschuldigung

Der britische Oppositionsführer Iain Duncan Smith hat im Zusammenhang mit der Kelly-Affäre eine Entschuldigung von Premierminister Tony Blair verlangt. "Die Fehlerlinie zieht sich bis an die Spitze. Es ist ganz klar Herr Blair, der sich entschuldigen muss", sagte Smith am Sonntag in London. Smith spielte damit auf eine Äußerung des Pressesprechers von Blair an, der direkt vor der Beerdigung des Waffenexperten und Regierungsberaters David Kelly diesen als wichtigtuerischen Fantasten dargestellt hatte.

Die Forderung des konservativen Oppositionsführers kommt einen Tag, bevor Lordrichter Hutton die ersten Zeugen in seinem Untersuchungsausschuss zu den näheren Umständen des Selbstmordes von Kelly vernehmen will. Kelly war die Hauptquelle eines BBC-Berichts, wonach die Regierung Blair ein Dossier über vermeintliche Gefahren durch irakische Massenvernichtungswaffen als Rechtfertigung für den Krieg gegen den irakischen Präsidenten Saddam Hussein absichtlich aufbauschte. Aus dem Bericht entwickelte sich eine heftige Auseinandersetzung zwischen Downing Street und dem britischen Sender, in dessen Verlauf Kelly zwischen die Fronten geriet und sich das Leben nahm. Dies führte zu einer der schwersten Krisen der Blair-Regierung.

Angeblicher Uran-Kauf

Unterdessen wies ein früherer irakischer Diplomat Behauptungen von britischer Seite zurück, der Irak habe versucht, für ein Atomwaffenprogramm von Saddam Uran in Afrika zu kaufen. Diese Vorwürfe waren für die USA und Großbritannien ein Hauptargument für den Irak-Krieg. Obwohl sich entsprechende Berichte nach dem Krieg nach US-Angaben als unrichtig erwiesen, blieb die britische Regierung dabei, es gebe Geheimdienstinformationen, wonach sich der Irak in Niger Uran verschaffen wollte.

Wissam al-Zahawie, der im Jahr 1999 zu einer irakischen Delegation gehörte, die angeblich über den Kauf verhandeln sollte, wies die Behauptungen im "Independent on Sunday" zurück. "Wir hatten keinerlei Anweisungen zum Kauf von Uran", sagte der frühere irakische Botschafter beim Vatikan. (APA)

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    Das Grab David Kellys

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