Kleidung mit Grips

14. August 2003, 12:13
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Akkus im Absatz, Solarzellen als Schulterpolster - in der Zukunft ist der Pulli vernetzt

Wien/Berlin - Handy, Laptop, Palm & Co. haben längst die Herzen der Verbraucher erobert. "Wenn die Elektronik fester Bestandteil des mobilen Alltags werden soll, dann muss sie direkt am Körper getragen werden können - am besten unsichtbar und ergonomisch in die Kleidung integriert", sagt Christine Kallmayer vom deutschen Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikroelektronik (IZM). Forscher weben deshalb Leiterbahnen in Textilien ein, daran werden mikroelektronische Module angeschlossen. Das Problem der Energieversorgung lösen Schuhabsätze mit Akkus oder Solarzellen an der Schulter.

Zukunftsmusik? - "Kleider mit Grips" für den professionellen Einsatz und den privaten Gebrauch wird es nach Ansicht der Berliner IZM-Experten in vielen Varianten geben. Die Palette reicht vom tragbaren Computer-Multimedia-Equipment mit Head Mounted Display für Service-Techniker bis hin zur "intelligenten" Weste mit eingebautem Telefon.

Staubkorn

In wenigen Jahren, meint Kallmayer, wird der Computer zum elektronischen Staubkorn geschrumpft sein. So soll es möglich werden, mikroelektronische Komponenten ins Outfit zu integrieren. Die Module für das "Netzwerk am Körper" müssen leicht, langlebig, waschbar und angenehm zu tragen sein. Sie werden über leitfähige Textilien verbunden, Kabel sind überflüssig. Als textile Leiter zum Transport von Energie und Daten können beispielsweise Paspeln verwendet werden. Paspeln sind schmale Nahtbesätze, wie sie häufig an Jacken und Mänteln zu finden sind.

Prinzipiell bietet Kleidung genügend Fläche, um Funktionsmodule und Leitungen unterzubringen und gleichzeitig die Bedienungskomponenten für den Benutzer leicht zugänglich zu machen. An Ideen für Einsatzgebiete herrscht kein Mangel: Sensoren, die den Blutzuckerspiegel überwachen, den Blutdruck kontrollieren oder die Herzfrequenz messen; Jacken, in denen sich Mikrokammern aufblähen und die Temperatur ausgleichen, Hemden, die mit ultradünnen Vibrationsmatten massieren, und Unterwäsche, die gezielt Heilmittel an die Haut abgibt.

Beispiel Fahrradkurier: Seine Hauptprobleme sind das Suchen im Stadtplan, Abschließen des Fahrrads und Frieren im Winter, hat die deutsche Designstudentin Katrin Brandt herausgefunden. Outfit als Lösung: Die Kommunikation zwischen Kurier und Zentrale läuft über SMS, für die Ortung verwendet er ein Satellitenortungssystem (GPS). Im Ärmel trägt er dafür ein Display und ein textiles Tastaturfeld. Bestätigt der Kurier die Annahme eines Auftrags, wird er mit den Daten beliefert und zum Ziel navigiert. Die Energie für den Datenfluss erzeugt der Dynamo und wird vom Sattel zur Jacke geleitet. Im Winter werden auf diese Weise auch die textilen Heiz-Pads mit Strom versorgt, die dem Fahrradkurier die Nieren wärmen. Ein Sicherheitssystem erkennt außerdem über einen textilen Transponder den Besitzer des Rades und öffnet bzw. schließt das Fahrradschloss automatisch. - Eine Idee für Kleidung mit Grips, die das IZM mit der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft bereits umgesetzt hat.

Das IZM präsentiert auf der Internationalen Funkausstellung IFA 2003 (29. August bis 3. September) in Berlin Kleidung mit integrierten Kommunikationssystemen. In das High-Tech-Modell "Parachute" ist der kleinste Audio Video Player der Welt integriert. Das Modell "Rasende Reporterin" hat an der Brille ein Head Mounted Display montiert, der Benützer kann gleichzeitig Interviews führen und Dokumente ansehen.

Die Energieversorgung für mobile Systeme lösen Wissenschafter mit unterschiedlichen Methoden: Schuhe mit hohen Absätzen, in denen Akkus untergebracht sind, ultraflache Folienakkus in der Kleidung oder Solarzellen an der Schulter. (APA)

Link
fraunhofer.de


Am 29. August ist die intelligente Kleidung bei der IFA in einer Modenschau zu sehen.
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