Unruhen im Südirak

10. August 2003, 14:05
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Menschen protestieren gegen Energieengpässe - Tanklaster angezündet

Basra - In der von britischen Besatzungstruppen kontrollierten südirakischen Stadt Basra ist es am Samstag wegen anhaltender Energieengpässe zu Unruhen gekommen.

Wie Augenzeugen berichteten, schossen Besatzungssoldaten in die Luft, um eine aufgebrachte Menschenmenge an einer Tankstelle zurückzudrängen. Zu den größten Unruhen kam es einem britischen Militärsprecher zufolge an einer Tankstelle im Zentrum der Zwei-Millionen-Stadt, an der aufgebrachte Iraker einen kuwaitischen Tanklaster zunächst mit Steinen beworfen hatten und dann in Brand steckten. Dem Sprecher zufolge kam es an mindestens vier Tankstellen zu Gewaltausbrüchen. Er bestätigte aber nicht, dass es zu Warnschüssen gekommen sei. "Wir ergreifen Maßnahmen, um die Menschenmenge unter Kontrolle zu bringen", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Auch am Hauptquartier der britischen Truppen in Basra kam es zu Protesten.

Frust

Hunderte Iraker forderten vor dem Gebäude eine Wiederherstellung der Stromversorgung und eine verbesserte Versorgung mit Benzin. Nach Augenzeugenberichten wurden Wachleute mit Steinen beworfen. Der Militärsprecher sagte: "Wir tun unser Bestes, um die Situation zu normalisieren." Er räumte auch ein, dass es in Basra wegen der anhaltenden Strom- und Energieengpässe zunehmend zu Frustration in der Bevölkerung gekommen sei. Rund 10.000 britische Soldaten kontrollieren seit dem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein weite Teile Südiraks.

Aufgebrachte Einwohner hätten in Basra auch mit Steinen geworfen, Autos mit kuwaitischen Kennzeichen angegriffen und Reifen angezündet, berichteten Augenzeugen. Mehrere Hauptstraßen in das Stadtzentrum waren wegen starker Rauchentwicklung unpassierbar.

Soldaten verletzt

Grund für die Unruhe an der Tankstelle, an der ein Tanklaster angezündet worden war, war nach Angaben eines Militärsprechers die Unterbrechung der Benzinversorgung. Zwei Generatoren waren zuvor in Folge von Temperaturen von mehr als 50 Grad Celsius ausgefallen, und Kunden konnten kein Benzin mehr zapfen. Bei dem Vorfall sollen nach Angaben von Augenzeugen auch drei britische Soldaten durch Steine verletzt worden sein, was der Militärsprecher allerdings nicht bestätigte. Auch ein Auto mit kuwaitischem Kennzeichen wurde Augenzeugenberichten zufolge mit Steinen beworfen und angezündet.

Kuwait hatte den US-geführten Besatzungstruppen als Aufmarschgebiet für die Invasion im Irak gedient. Einwohner Basras haben zudem den Vorwurf erhoben, dass mit kuwaitischen Tanklastern billiges irakisches Benzin über die Grenze ins benachbarte Emirat geschmuggelt wird.

Die britische Marine teilte unterdessen mit, im nördlichen arabischen Golf bereits am Freitagabend ein Schiff abgefangen zu haben, das 1100 Tonnen Öl aus dem Irak schmuggeln wollte. Der Kapitän und die ukrainische Besatzung des in Panama registrierten Schiffes seinen festgenommen worden. Wohin das Schiff unterwegs war, war nicht bekannt. Das Aufbringen des Schiffes sei der größte Erfolg im Kampf gegen den Ölschmuggel seit dem Ende des Irak-Krieges gewesen, sagte ein Militärsprecher Reuters. (Reuters)

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