Rebellen drohen mit Ende der Waffenruhe

9. August 2003, 21:35
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Waffentransport gestoppt

Monrovia/Washington - Vier Tage nach Ankunft der ersten Friedenssoldaten bleibt die Lage in Liberia weiter angespannt: Die wichtigste Rebellenorganisation LURD drohte am Freitag mit einem Ende der gegenwärtigen Waffenruhe, weil ihre Stellungen nahe der Hauptstadt Monrovia angeblich weiter von Regierungstruppen angegriffen würden. Liberias Verteidigungsminister Daniel Chea räumte unterdessen ein, in den vergangenen Tagen weiter Waffen importiert zu haben.

Angriffe

Die LURD habe Hinweise, wonach ihre Stellungen im nordwestlich von Monrovia gelegenen Arthington angegriffen würden. Dies sei eine eklatante Verletzung der gegenwärtigen Waffenruhe, sagte der Vizechef der Rebellen, Sekou Fofana der Nachrichtenagentur AFP. "Wir fordern Taylor auf, Arthington zu verlassen, oder wir nehmen die Kämpfe wieder auf", fügte er hinzu. Die Regierung dementierte umgehend, in Arthington einmarschiert zu sein. Der Chef der westafrikanischen Friedenstruppe ECOMIL, Festus Okonkwo, wollte am Samstag den von den LURD-Rebellen gehaltenen Norden Monrovias besuchen.

Der gestoppte Waffentransport sei für die Truppen in der Hafenstadt Buchanan bestimmt gewesen, sagte Chea. "Als Regierung haben wir das Recht, uns selbst zu verteidigen", fügte er hinzu. In Buchanan kämpfen Regierungstruppen gegen die Rebellen der MODEL, der zweiten bedeutenden Rebellengruppe. Die mit einer Boeing 307 eingetroffenen Waffen waren am Donnerstag von ECOMIL-Soldaten auf dem Flughafen von Monrovia entdeckt worden.

Nachschub

Präsident Taylor reiste außerdem einem Bericht der "Washington Post" zufolge in der vergangenen Woche nach Libyen, um sich dort persönlich um Waffennachschub für seine Truppen zu kümmern. Bei der Rückreise sei er durch schlechtes Wetter aufgehalten worden und habe deshalb das für den 1. August angesetzte Treffen mit Außenministern der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS) um einen Tag verschieben müssen. Die Regierung in Monrovia hatte behauptet, Taylor sei nach Buchanan gereist.

Der vorübergehend als UN-Menschenrechtskommissar amtierende Bertrand Ramcharan forderte in Genf, die Verantwortlichen für die Kriegsgräuel in Liberia müssten vor Gericht gebracht werden. In einem "dringenden Bericht" an die UN-Menschenrechtskommission prangerte er unter anderem Vergewaltigungen, Folter und die Rekrutierung von Kindern als Soldaten an. Rund 250.000 Menschen starben dem Bericht zufolge seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Liberia im Jahr 1989. Viele von ihnen seien in Massengräbern verscharrt worden. Rund 1,3 Millionen Menschen seien durch die Kämpfe zu Flüchtlingen geworden. (APA/AP)

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