Pressestimmen: "Kalifornien braucht keinen Terminator, sondern Superman"

11. August 2003, 18:53
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US-Zeitungen begrüßen und verhöhnen Kandidatur Schwarzeneggers - "NYT": "Überraschend einfallslos" - "WSJ": "Genau der Richtige"

Washington - Der Actionstar Arnold Schwarzenegger hat es am Freitag mit seiner Bewerbung um das Amt des kalifornischen Gouverneurs an die Spitze der Kommentarseiten in den amerikanischen Zeitungen geschafft. Die Reaktionen auf den Einstieg des gebürtigen Österreichers in die Politik waren gemischt und reichten von "überraschend einfallslos" bis "genau der Richtige". Der Republikaner Schwarzenegger tritt am 7. Oktober bei der Abstimmung zur Abberufung ("Recall") des amtierenden demokratischen Gouverneurs Gray Davis an.

"Politik am Muskelstrand", "Conan der Bewerber", "Total Recall" (Anspielung an die Bodybuilder-Karriere sowie zwei Filmtitel Schwarzeneggers) lauteten die vorhersehbaren Schlagzeilen in den großen nationalen Zeitungen. Genauso gemischt wie die Titel fielen auch die Kommentare aus.

"Sogar im gedankenlosen Umfeld des Spätabend-Fernsehens (Schwarzenegger hatte seine Ankündigung in der Late-Night-Show des bekannten US-Talkmasters Jay Leno gemacht, Anm.) klangen seine vagen Ausschweifungen über das Aufräumen in Sacramento und dass er den Politikern "Hasta la vista, baby" sagen will, überraschend einfallslos", kommentierte die liberale "New York Times". Bei der Wahl des kalifornischen Gouverneurs sei auf eine bessere Alternative zu hoffen.

Das "Wall Street Journal", die größte US-Wirtschaftszeitung, nahm die Kandidatur Schwarzeneggers dagegen wohlwollend auf. Der Filmstar sei ein erfolgreicher Unternehmer mit Wirtschaftskenntnissen und einem ernsthaften Interesse an Politik. "Einige wollen diese Abberufungs-Wahl als Zirkus abtun, aber sie hat der Politik im Bundesstaat eine Dynamik verliehen wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Geschützt durch Gerrymandering (die von politischen Parteien gesteuerte Wahlkreiseinteilung, um sich Parlamentssitze zu sichern, Anm.) und Geld von Interessensgruppen hat die politische Klasse unseren bedeutendsten Bundesstaat in die Richtung des stagnierenden, sozialistischen Europa gelenkt. Vielleicht ist ein Einwanderer aus Europa, der hier ein Vermögen gemacht hat, genau der Richtige, um Kalifornien von diesem Schicksal zu erlösen."

Die "Washington Times" schrieb, dass sie vom Millionär Schwarzenegger eine ernsthafte Wahlkampagne erwarte. Er sei ein "finanziell gut ausgestatteter Kandidat, der einen einzigartigen Zugang zu den Medien hat und von fast jedem Wähler sofort erkannt wird". Allerdings könne niemand, der sich um die Demokratie in den USA sorge, das Recall-Spektakel in Kalifornien begrüßen, verwies die Zeitung auf Bewerbungen wie jene des Pornoverlegers Larry Flynt. "Die amerikanischen Wähler haben reiche Möchtegern-Retter, die sich als über dem Parteienzank stehend präsentierten und mit ihrer Unabhängigkeit prahlten, weil sie ihre Wahlkampagnen selbst zahlen konnten, bisher zurecht mit Vorsicht genossen", hieß es in Anspielung an Schwarzenegger weiter.

Die "Chicago Tribune" verwies auf die großen wirtschaftlichen und politischen Probleme im Westküsten-Staat, denen Schwarzenegger möglicherweise nicht gewachsen sein werde. "Anarchie mit einem Budgetdefizit in Höhe von 38 Milliarden Dollar (33,6 Mrd. Euro), einem kollabierenden Bildungssystem, gesetzlicher Strangulierung und politischem Stillstand. Kalifornien braucht keinen Terminator - es braucht Superman."

Die "Los Angeles Times" zeigte sich in einem Kommentar besorgt über den durch die Gouverneurswahl ausgelösten "Zirkus ohne Lösung". "Karneval? Zirkus? Wie wär's mit Actioncomics? WHAP! BAM! BIFF! POW! NIMM DAS, KALIFORNIEN!" (APA/Reuters)

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