Es herrscht Platzangst im vollen Hühnerstall

9. August 2003, 12:00
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Geflügel traut sich fast nicht ins Freie

London - Nur etwa 15 Prozent der Hühner in Freilandhaltung laufen tatsächlich im Freien herum - die anderen haben zu viel Angst, aus ihrem Stall herauszukommen. Das berichten britische Forscher, die das Verhalten von mehr als 20.000 Hühnern auf Geflügelfarmen untersucht hatten. Optimal sei für die Vögel ein Auslauf mit vielen Bäumen, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin Nature.

Wenn Eier oder Fleisch von Geflügel aus der so genannten Freilandhaltung stammen, stellten sich die meisten Kunden glückliche Hühner vor, die gackernd und zufrieden im großen Hof des Bauern in der Erde scharren. Die Wirklichkeit sehe anders aus. Trotz freien Zugangs nach draußen trauten sich nur die mutigsten Hühner aus ihrem Stall hinaus, fanden Forscher um Marian Dawkins von der Universität in Oxford heraus. Die Mehrzahl bleibe lieber in der überfüllten Enge des Stalls. Erheblich besser gefielen Hühnern Flächen mit vielen Bäumen, schreiben die Forscher. Die Tiere hielten sich dann fast ausschließlich im Schatten der Laubdächer auf.

Die Wissenschafter vermuten, dass die Bäume mehrere Funktionen erfüllen: Neben Schutz vor Sonne und Wind finden die Hühner in ihrem Schatten auch trockene Stellen, wo sie sich im Staub wälzen können. Ebenso wichtig scheint auch die Deckung vor Feinden aus der Luft zu sein.

Die Suche nach Schutz unter Bäumen sei vermutlich auf die Herkunft der heutigen domestizierten Hühner zurückzuführen. Ihre wilden Vorfahren, die roten Dschungelhühner, lebten in asiatischen Bambuswäldern. Von der Zucht unberührt habe sich bis heute der Hühner instinktive Angst vor offenen Flächen gehalten - Agoraphobie oder Platzangst genannt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10. 8. 2003)

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