Treu dem Gewissen bis in Tod

13. August 2003, 19:08
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Kriegsdienstverweigerer Jägerstätter vor 60 Jahren hingerichtet

Linz - Viele sehen in ihm einen "Märtyrer des 20. Jahrhunderts" - Franz Jägerstätter, Symbolfigur für unbeugsamen Widerstand aus tiefreligiöser Überzeugung, erklärter Gegner des Österreichanschlusses 1938 an das Deutsche Reich bis in den Tod. Vor allem im angloamerikanischen Raum gilt der gebürtige Innviertler auch heute noch als Leitfigur der Wehrdienstverweigerer. Nachdem 1997 das Todesurteil gegen Jägerstätter posthum aufgehoben wurde, initiierte der oberösterreichische Bischof Maximilian Aichern ein Seeligsprechungsverfahren, das bis heute nicht entschieden ist.

Franz Jägerstätter wurde am 20. Mai 1907 im oberösterreichischen St. Radegund im Bezirk Braunau geboren. Der tiefgläubige Landwirt, Mesner und Vater dreier Töchter weigerte sich aus religiöser Überzeugung für Hitler eine Waffe in die Hand zu nehmen. Einem Einberufungsbefehl im Sommer 1940 folgte er zunächst noch und leistete seine Grundausbildung ab. Als dann im Februar 1943 erneut der Befehl zum Marsch in den Krieg kam, verweigerte er den Wehrdienst.

Seiner Bitte "aus christlicher Nächstenliebe" seinen Dienst als Sanitäter versehen zu dürfen, wurde nicht nachgekommen. Jägerstätter wurde verhaftet, für "wehrunwürdig und ehrlos" erklärt und vom Reichskriegsgericht wegen "Wehrkraftzersetzung" zum Tode verurteilt. Am 9. August 1943 wurde Franz Jägerstätter für seine Gewissensentscheidung im Zuchthaus Berlin-Brandenburg enthauptet.

Nicht nur Bewunderer

Doch auch 60 Jahren später trüben kritische Stimmen das heldenhafte Märtyrerbild. Jägerstätters Wehrdienstverweigerung wird immer wieder sehr unterschiedlich beurteilt: Manche sehen in ihm nicht nur den tief im christlichen Glauben verankerten Pazifisten. Tausende, die der Einberufung Folge leisteten, sehen sich durch die "Glorifizierung Jägerstätters" diskriminiert.

Das diesjährige Jägerstätter-Gedenken beginnt, heute, Samstag, unter Anwesenheit von Kardinal Schönborn, Bischof Aichern und dem oberösterreichischem Landeshauptmann Josef Pühringer in den Innviertler Gemeinden St. Radegund und Ostermiething. Zu den Veranstaltungen werden zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland erwartet. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10. 8. 2003)

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