40 Jahre nach dem "Großen Postzug-Raub"

14. August 2003, 18:29
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Ex-Bandenchef Bruce Reynolds zieht Bilanz: Für die meisten Beteiligten ein "Fluch"

London - Genau 40 Jahre nach dem "Großen Postzug-Raub" in England hat der damalige Bandenchef Bruce Reynolds (71) gemischte Gefühle. "Ich feiere den Jahrestag nicht, ich habe es nie getan", sagte Reynolds alias "Napoleon". Zusammen mit 14 Komplizen hatte er am 8. August 1963 den Postzug von Glasgow nach London überfallen und 2,6 Millionen Pfund erbeutet,. "Im Nachhinein bin ich weder stolz darauf noch schäme ich mich - ich habe den Preis dafür bezahlt."

Der "Jahrhundert-Raub" habe sich für die meisten Beteiligten als "Fluch" erwiesen, sagte Reynolds. Er selbst floh vor Scotland Yard nach Mexiko und Kanada, bevor er 1968 geschnappt wurde - seine Beute von 150.000 Pfund hatte er da schon für das kostspielige Katz-Maus- Spiel aufgebraucht. Im Gefängnis trug er sich mit Selbstmord-Gedanken, nach der zehnjährigen Haft wollte ihn niemand mehr beschäftigen.

Gescheitert

Ronnie Biggs, heute der bekannteste der Zugräuber, unterzog sich sogar einer Gesichtsoperation, um den Häschern zu entkommen. Auch er war bald wieder blank: "Ich hatte einen dicken Fisch gefangen, aber die Haie haben alles aufgefressen", klagte er. In Rio de Janeiro empfing er deutsche Touristen, die seine Geschichte aus der Fernseh-Verfilmung "Die Gentlemen bitten zur Kasse" mit Horst Tappert kannten. Nach drei Schlaganfällen flog er 2001 freiwillig nach England und kam dort sofort ins Gefängnis.

Den Kumpanen erging es zum Teil noch schlechter: Ronald Edwards erhängte sich, Charlie Wilson wurde von einem Auftragskiller erschossen und Brian Field verunglückte tödlich. Alle Bandenmitglieder verbüßten lange Gefängnisstrafen. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bruce Reynolds auf einem Archivbild von 1968

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