Wien wird wieder, wie es war

11. August 2003, 11:46
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Berühmte, wichtige und faszinierende Blickachsen - der Belvederegarten

Wien - Dieser Blick steht für Wien. Und zwar nicht nur, weil er, einstens vom Maler Canaletto eingefangen, jetzt als Maß aller Stadtbildpfleger gilt. So wie Wien von hier aussieht, muss es bleiben. In der Theorie. Denn auch wenn längstens schon andere, neuere Bauwerke und einzelne Hochhäuser aus der Silhouette herausragen, wenn die Dachlandschaft ausgebaut und erhöht wurde - egal: Der "Canaletto-Blick" ist jene Perspektive, die im Stadtbild erhalten bleiben muss.

Prinzen als Tugendhelden

Um hier zu sehen, was Wien ausmacht, muss man allerdings gar nicht in die Ferne schauen. Wie diese Stadt ist, zeigt die Nähe. Ein Park, zu Ruhm und Ehre des großen Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen errichtet: Figuren, die in einer terrassierten Bedeutungssteigerung das Wirken der Elemente, dann den Prinzen als Tugendhelden und ganz oben den Götterhimmel darstellen.

Eines jener Werke verwichener Prinzen- Königs- und Kaiserregentschaft also, von denen Wien heute - touristisch - lebt. Und eines, das wie so viele Winkel der Stadt lange dem morbiden Verfall preisgegeben war. Der Prinzenjubel von einst verwitterte, zerbröselte.

Typisch für Wien - nur schöne Fassade

Nicht zuletzt deshalb, weil hier vieles - auch typisch für Wien - nur schöne Fassade ist. In der Eile des Belvedere-Bauens zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren beispielsweise Dachfiguren aus Blech hergestellt und dann mit Harz und Sand nach außen hin in "Sandstein" verwandelt worden.

Im Garten, den der bayrisch-französische Gartenarchitekt Dominique Girard entworfen hatte, waren wiederum die tonnenschweren Figuren der Musen nur auf Tonziegelfundamente gesetzt worden. Über die Jahre hinweg drückte das Gewicht der Figuren, und es wurde rundum aufgeschüttet - die Sockel versanken, die Figuren soffen sich mit Wasser und Bodensalzen voll, platzten auf.

Sanierung

Seit zwei Jahren wird im Belvederegarten nun schon saniert, insgesamt werden fünf Millionen Euro in die Erneuerung investiert, damit alles wieder so aussieht, wie es vor langer Zeit einmal war. Ende Juni wurden die geretteten Musenstatuen wieder aufgestellt - Kleio wurde als Letzte aufs neue Podest gehievt. Jetzt wird die Außenhaut Kleios mit Silikonharz geschützt.

Im Unteren Belvedere können die Besucher übrigens auch schon die Wiederherstellung vergangener Gartenkunst bewundern: die streng barock geschnittenen Sträuche und Büsche in Kugel-, Pyramiden-und Quaderform. Im Jahr 2008 soll dann das gesamte Vergangene sich wie neu präsentieren.

Im gleichen Jahr übrigens, in dem in Wien auch einmal etwas Neues ermittelt wird: der neue Europameister. Denn 2008 regiert der Fußball in der ehemaligen Kaiserstadt. (Roman Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 9/10.8.2003)

Wiener Einblicke, Ausblicke, Panoramen und Details: In einer neuen Serie präsentiert der STANDARD berühmte, wichtige und faszinierende Blickachsen und Perspektiven - mit Weitwinkel-und Teleobjektiv, aber auch mit der Makrolinse, die die feinen Details zeigt. Heute: der Belvederegarten.
  • Historische Ansicht von Schloss Hof in Niederösterreich - Gemälde von Bernardo Bellotto
    foto: standard

    Historische Ansicht von Schloss Hof in Niederösterreich - Gemälde von Bernardo Bellotto

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