Eine Publizistin, die gern Frau Gouverneur wäre

18. August 2003, 11:35
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Portrait: Arianna Huffington rittert mit "Arnie" um das kalifornische Gouverneursamt

Ein Unglück kommt selten allein. Gray Davis, der Pechvogel im kalifornischen Gouverneursamt, wird sich am 7. Oktober nicht nur gegen Attacken von rechter republikanischer Seite (Arnie!) zur Wehr setzen müssen. Auch von der linken droht Davis Gefahr.

Die parteipolitisch ungebundene Dame, die es sich ebenfalls in den Kopf gesetzt hat, in Kalifornien aufzuräumen, heißt Arianna Huffington und hat sich als scharfzüngige Kolumnistin und Buchautorin mit einer wechselhaften politischen Vergangenheit einen Namen gemacht.

Die heute 53-Jährige wurde als Arianna Stassinopoulos in Griechenland geboren. Mit 16 Jahren zog sie nach Großbritannien, wo sie in Cambridge studierte, und 1980 dann in die USA. 1986 heiratete sie den politisch ambitionierten Millionär Michael Huffington (dessen Vater, Roy Michael Huffington, von 1990 bis 1993 US-Botschafter in Wien war).

Michael Huffington schaffte es zwar, als Abgeordneter für den Wahlkreis Santa Barbara in den US-Kongress einzuziehen. Sein Bestreben, 1994 mit einer 29 Millionen Dollar teuren Kampagne für Kalifornien in den Senat zu kommen, schlug aber fehl, und auch seine Ehe war nicht von Bestand. 1994 ließen sich die Huffingtons scheiden, nachdem sich der Gemahl coram publico zu seiner Homosexualität bekannt hatte. Ihren ursprünglichen Plan, wieder ihren Mädchennamen anzunehmen, ließ Ms Huffington fallen, weil Stassinopoulos - fast noch schwieriger auszusprechen als Schwarzenegger - für sie ein fast schon geschäftsschädigendes Handikap gewesen wäre. Angeblich soll auch Michael Huffington mit der Überlegung kokettieren, bei der kalifornischen Gouverneurswahl anzutreten - sodass Arianna auch gegen ihren Exmann antreten müsste.

Auch politisch kam nach der Scheidung Bewegung in das Leben der Publizistin. Während sie zunächst eine enge weltanschauliche Liaison mit dem äußerst rechten Flügel der Republikaner eingegangen war, driftete sie danach konstant nach links. Ihre jüngsten Bücher und Kolumnen sind im Geiste Michael Moores geschriebene Pamphlete gegen Globalisierung, Korruption und politischen Filz. Auf dem Cover ihres Opus "Pigs at the Trough" ("Schweine am Trog") prangt eine Figur mit Businessanzug und Sauschädel, die offenbar die Klasse der US-Mächtigen symbolisieren soll.

Sollte sich Huffington, die mit ihren beiden Töchtern in L.A. lebt, gegen Schwarzenegger durchsetzen (ein unwahrscheinliches Szenario), dann würde sie mit einem radikalen ökologischen Umbau des "Golden State" beginnen. Ein Punkt aus Huffingtons Programm: Sämtliche kalifornische Beamte müssten mit Hybridfahrzeugen, die auch mit Wasserstoff oder Brennstoffzellen angetrieben werden können, in die Arbeit fahren. (DER STANDARD, Printausgabe 09./10.08.2003)

Christoph Winder
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    Bisher als scharfzüngige Kolumnistin und Buchautorin bekannt: Arianna Huffington
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