Industrieabwärme ersetzt Erdgas

13. August 2003, 19:31
posten

Der Energiekonzern Salzburg AG plant die Nutzung industrieller Abwärme im großen Stil - Stadt Hallein will das Öko-Projekt jedoch besteuern

Salzburg - Rund 950 Wohnungen in Hallein werden bereits seit vergangenem Winter mit Industrieabgasen beheizt. Die vorher ungenutzt in die Luft geblasenen, 140 Grad heißen Rauchgase der Laugenverbrennung bei der Hallein-Papierfabrik M-Real heizen Wasser auf, welches dann in den Zentralheizungskreislauf geleitet wird. Ende November vergangenen Jahres ging die Anlage in Vollbetrieb. "Sie läuft wie ein Glöckerl", freut sich Thomas Kettl, der für den Energiekonzern Salzburg AG das Projekt betreut. Das bestehende Erdgasheizwerk der Salzburg AG in Hallein ist seit April abgeschaltet und wird im Winter nur mehr im Bedarfsfall angeworfen.

Ausschließlich mit Industrieabwärme

Gestärkt durch diese positiven Erfahrungen geht die Salzburg AG nun daran, bis zum Beginn der Heizperiode 2004 eine Wärmeschiene für 90 Grad heißes Heizwasser quer durch den Tennengau zu legen - Kostenpunkt: 5,4 Millionen Euro. Diese Schiene wird die Anlage bei der Papierfabrik mit dem Gasheizkraftwerk und einer neuen Anlage zur Nutzung industrieller Abwärme beim Halleiner MDF-Plattenwerk verbinden. Ferner wird die Wärme über insgesamt etwa sechs Kilometer bis zum neuen Gewerbegebiet "Urstein" in der Gemeinde Puch geleitet. Dieses soll ausschließlich mit Industrieabwärme versorgt werden.

Öko, aber ohne Gewinn Das neue Energie-Modul des zum Tiroler Unternehmen Binder-Holz gehörenden Plattenwerks wird in erster Linie Ökostrom in größerem Maßstab produzieren. Die dabei anfallende Abwärme wiederum geht in die Wärmeschiene. Diese Anlage wird noch einmal 1,8 Millionen Euro Investitionskosten verursachen.

Getragen wird das Großprojekt von der Salzburg AG gemeinsam mit dem MDF-Plattenwerk und Alternativenergiegesellschaften, an denen wiederum die Bundesforste sowie der Kärntner Energieversorger Kelag Anteile halten. Letztlich sollen neben den bisherigen Wohnungen weitere 40 Wohnanlagen, andere Großkunden sowie 50 Einfamilienhäuser beheizt werden.

Investition amortisieren sich frühestens in 14 Jahren

Lässt man die CO-Reduktion außer Acht, ist - wirtschaftlich gesehen - die Nutzung der Industrieabwärme derzeit allerdings kein besonders sinnvolles Projekt. Die Salzburg AG bringt sich nämlich so selbst um eine beträchtliche Zahl Gaskunden. Kettl rechnet, dass sich die gesamte Investition frühestens in 14 Jahren amortisieren dürften.

Steuern

Erschwerend komme hinzu, dass Halleins VP-Bürgermeister Christian Stöckl für die Wärmeschiene jährlich eine Abgabe in der Höhe von 28.000 Euro einheben will. Dann gehe es "an die Unwirtschaftlichkeit", warnt Kettl vor einem frühzeitigem Aus für das ambitionierte Umweltprojekt. Die mit Budgetproblemen kämpfende Stadt Hallein selbst will derzeit übrigens nur eines ihrer öffentlichen Gebäude an die Wärmeschiene anschließen - das städtische Altersheim. (Thomas Neuhold, DERSTANDARD Printausgabe 9/10.8.2003)

Mitten in der Hitzewelle plant der Energiekonzern Salzburg AG die Nutzung industrieller Abwärme im großen Stil. Bis Herbst 2004 soll quer durch den Tennengau eine neue Wärmeschiene verlegt sein. Die Stadt Hallein will das Öko-Projekt allerdings besteuern.
Share if you care.