Fragen kostet viel

15. August 2003, 21:23
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Das Verhältnis zwischen Kunst und Rechenstift ist traditionsgemäß konfliktbeladen. Nicht nur, dass in den meisten Fällen von Haus aus für die Kunst immer zu wenig Geld da ist, erhebt sich dann im Nachhinein auch noch die Frage, ob das ohnedies nicht im ausreichenden Maß vorhandene Geld auch widmungsgemäß und allen strikten Regeln der Sparsamkeit entsprechend verwendet wurde.

Dazu ist für jene Betriebe, deren Aufwand überwiegend mit Steuermitteln bedeckt wird, der Rechnungshof da. Sein Wirken, vor allem, wenn sich die in seinem Sold stehenden staatlichen Finanzinquisitoren über Theater oder sonstige künstlerische Einrichtungen hermachten, habe ich stets mit spöttischer Skepsis verfolgt. Denn was immer bei einer solchen Prüfung herauskommen mag, das Geld ist auf alle Fälle und ein für alle Mal futsch.

Doch in den 70er-Jahren wurde ich zumindest in einem Fall eines Besseren belehrt: Da rückten die gestrengen Herren Inquisitoren nach Graz aus, um an den damals noch ganz und gar nicht kulturhauptstädtischen, dafür aber, was den künstlerischen Output anlangt, erfreulich effizienten Grazer Bühnen zu prüfen, ob bei deren administrativer Gerenz wohl alles mit rechten Dingen zuging.

Und schon hockten in allen Zimmern der Verwaltung die Prüfer und schnüffelten eifrig nach etwaigen Fehlern, Schlampereien und Versäumnissen.

Umso mehr verwunderte mich eines Tages der Anruf eines Rechnungshofbeamten, der mich um ein Gespräch ersuchte.

Da ich damals in Graz als Journalist tätig und so der Kontrolle der Prüfer völlig entzogen war, begab ich mich reinsten Gewissen zum vereinbarten Treffpunkt. Dort saß ein freundlicher Herr (der später übrigens in die höchsten Ränge des Rechnungshofes aufstieg). Vor sich hatte er einen Turm von Mappen und Faszikeln aufgebaut.

Und mit entwaffnender Offenheit sagte er, dass er in nicht wenigen Fällen mangels Erfahrung im Theaterbereich nicht bewerten könne, ob die eine oder andere kostenträchtige Entscheidung der Bühnenleitung nun wirklich gerechtfertigt war oder nicht. Seither empfinde ich vor dem Rechnungshof einen gewissen Respekt.

Irgendwie verdient diesen auch der neue Kulturstadtrat unserer frisch verspiegelten Stadt: Weil er sich in der Grazer Kunstszene offenbar ebenso wenig auskennt wie der erwähnte Herr des Rechnungshofs beim Grazer Theater, hat er eine Linzer Firma beauftragt zu erheben, was die Grazer Künstler denn gerne hätten.

Um ein beträchtliches Honorar wird er zu hören bekommen, was ihm jeder, der sich in dieser Kulturhauptstadt umsieht, ganz schnell und gratis sagen könnte und er vor allem selber wissen müsste: gerade das, was er durch diese Studie vergeudet - Geld. (DER STANDARD; Printausgabe, 09.08.2003)

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